Dresden: Die Waldschlösschenbrücke ist flacher und anschmiegsamer als das Blaue Wunder. (Maßstabgerechter Silhouettenvergleich: Henry Ripke Architekten).
sss

Freitag, 3. September 2010

Sprachkünstler der Sächsischen Zeitung haben Komma-Problem bei Plakat-Kampagne

Wie gut die Sächsische Zeitung ihr Metier - die Arbeit mit der Sprache – versteht, muss man hoffentlich nicht von diesem Plakat (SZ-Kampagne) ableiten ...

„Qualität heißt, immer noch besser werden zu wollen.“

„Qualität heißt immer, noch besser werden zu wollen.“

„Qualität heißt immer noch, besser werden zu wollen.“

Drei mögliche, durchaus verschiedene Bedeutungen - welche aber ist gemeint? Der Satz auf diesem Plakat jedenfalls ist falsch, denn ein Komma muss auf jeden Fall da irgendwo hinein! Aber wohin hätten es denn die Formulierungskünstler gern?

M. B. / (Foto: M. B.)

Donnerstag, 12. August 2010

Grafik für das Tonlagen-Programmheft: Das gestalterische Grauen geht weiter

Das Tonlagen-Programmheft – hier nicht ganz zufällig abgelegt auf das Buch „The Gimmix Book of Records“ von Frank Goldmann und Klaus Hiltscher: (Edition Olms, Zürich 1981 – Covergestaltung: Bilal Dallenbach)

Das Grauen geht weiter – sogar im doppelten Sinne. Wer das neue Programmheft für die 2010-er Ausgabe der „Tonlagen. Dresdner Festival der zeitgenössischen Musik“ in den Händen hält, ist zwar beim ersten Blick erleichtert, weil die gröbsten gestalterischen und typografischen Schnitzer des Vorjahresprogramms beseitigt worden sind. Beim genaueren Hinschauen jedoch wird klar: Von einer guten grafischen Gestaltung des Programmheftes kann wiederum keine Rede sein.

Grau in Grau – besser Graugrün, Graublau, Graugelb und sich darauf oder davor kaum abhebende, kleine Schrift in ähnlichen Tönungen: So wird einem die Lust am Lesen verdorben und die Vermittlung der – eigentlich interessanten – Inhalte behindert.

Dass zudem auch diesmal wieder die Bildsprache des Programmheft-Titelblattes irreführend ist, zeugt von gestalterischer Sorglosigkeit oder gar von Ignoranz.

Schon im vergangenen Jahr hatte es durch das Grafikdesign Probleme gegeben: Der damalige giftrosa-grellgelbe Titel mit den grünen Kopfhörern und dem dürftig-miesen TonLagen-Schriftzug wirkte bei schnellem Darüberschauen nämlich wie Werbung für ein Casting von Nachwuchs-Techno-DJs. – Diesmal geht es in eine andere Richtung, doch wieder in eine falsche: Im nicht aufgeklappten Zustand des Heftchens erzeugt die junge Dame im Look der Fotos der früheren sozialistischen Frauenzeitschrift „Für Dich“ den Eindruck von Werbung für Hörgeräte. Oder erinnert das Titelblattdesign gar an eine Art Picture Disc für eine DDR-Schlagersängerin (siehe Foto oben)?

Vom eigenen Logo scheint der Veranstalter ohnehin nicht überzeugt zu sein – auf dem Titelblatt zumindest fehlt es. Folge ist die Frage: Wer eigentlich ist der Veranstalter?

Fazit insgesamt: Blinde Gestaltungswut siegte über die Vermittlung von Inhalten.

Übrigens: Derartige Gestaltungsmisslichkeiten können verschiedene Ursachen haben.
Es gibt selbstgefällige Auftraggeber, die dem Grafikbüro bis in Details hinein vorschreiben, wie es auszusehen hat – und die meisten Grafiker brauchen dringend Aufträge, lassen sich also auf stümperhafte Ideen notgedrungen ein.
Aber es gibt auch Agenturen, die es zu einem hohen Bekanntheitsgrad gebracht haben und die es sich leisten können, mal schnell etwas abzuarbeiten – sie schwimmen auf der Zeitgeistwelle und sind so oder so gefragt. Der Auftraggeber behauptet hier meist, dass Kritik an der Grafik lediglich das Unvermögen des Kritikers zeige, da die Grafik von - manchmal sogar international bekannten - Berühmtheiten stamme.
Beiden Fällen ist etwas gemeinsam: Es fehlt, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite, ein Gespür für das Dienen oder das Dienliche.

Gottseidank, dass der Internetauftritt, so wie er am 11. August 2011 aussieht, und das normale September/Oktober-Programm gelungener erscheinen!

M. B.

Dienstag, 10. August 2010

Mit 20.000 Ostmark gestartet, jetzt in den heimlichen Top Ten der deutschen Druckindustrie

Stoba-Druck aus Lampertswalde feiert „20-Jähriges“.

Die Druckerei Stoba-Druck in Lampertswalde nördlich von Dresden feiert ihren 20. Geburtstag. Was im Mai 1990 mit der Gründung der Gesellschaft und einem Startkapital von 20.000 DDR-Mark begann sowie kurz darauf – am 17. August 1990 – auch praktisch ins Leben gerufen wurde, führte im Laufe der zwanzig Jahre in die Top Ten der heimlichen („hidden“) Champions der deutschen Druckindustrie.

Laut der Hamburger Unternehmensberatung Pier18 gehört Stoba-Druck nämlich zu den vordersten zehn deutschen Druckunternehmen, die mit einem hohen Eigenkapitalanteil von mehr als 40 Prozent erfolgreich wirtschaften (Druck&Medien Mai 2010, S. 52/53).
Geschäftsführer Roland Stolle bescheiden: „Wir haben einfach das von Staat geschenkte Geld nicht verprasst oder verwirtschaftet.“

Klar – das geht nur, weil die Stoba-Leute exzellent, fachlich brillant und mit Hingabe arbeiten und dadurch ihre Kunden immer wieder zufrieden stellen. Neben den verschiedenen Einrichtungen aus dem öffentlichen Bereich, so beispielsweise die TU Dresden und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, zählen eine Reihe renommierter Webeagenturen und der Chemieriese BASF zu den Kunden von Stoba-Druck.

Überwiegend Broschüren sowie Werbe- und Geschäftsdrucksachen werden in Lampertswalde hergestellt und von da vertrieben. Aktuelles Beispiel sind die Sommerferienpässe für die Dresdner Schüler, die aus dem Hause Stoba stammen.

„Druckerzeugnisse gehören auch in der heutigen Zeit der neuen elektronischen Medien zu den wichtigsten Informationsträgern“, sagt Stolle, der ergänzt: „Und nicht nur das: Kein anderer Kommunikationsbereich transportiert auch Image und Ästhetik derart eindrucksvoll wie der Printbereich.“

Deswegen arbeitet Stoba-Druck mit modernster Ausrüstung und Technologie, um die hohe Qualität unserer Druckerzeugnisse zu sichern. Die bisher größte Investition stammt aus dem Jahr 2009. Für über eine Million Euro wurde eine neue Bogenoffset-Maschine angeschafft. Sie ermöglicht, ein maximales Druckbogenformat von 53 mal 74 cm beidseitig 4-farbig zu bedrucken.

„Unser wichtigstes Kapital sind aber unsere Mitarbeiter.“ Da ist sich Stolle ganz sicher. „Denn trotz computergesteuerter Maschinen sind in unserer Branche nach wie vor der geübte Blick, das Geschick und die Akkuratesse des anspruchsvollen Fachmannes gefragt.“

Seit 1991 bildet Stoba-Druck Berufsnachwuchs aus, nimmt Lehrlinge auf. Insgesamt 22 junge Leute konnten bei der Druckerei ihre berufliche Ausbildung abschließen. „Ein großer Teil ist auch jetzt noch bei uns“, sagt Stolle. „Den heute von der Wirtschaft beklagen Fachkräftemangel kennen wir dadurch nicht. Wir übernehmen so viele wie möglich.“
Ein Grund zum Feiern ist für Stolle auch der Umstand, dass von den sechs Leuten, die 1990 die Grundlagen für Stoba-Druck schufen, fünf immer noch im Unternehmen sind. Wenn das nicht für die guten Arbeitsbedingungen und das gute Arbeitsklima bei Stoba-Druck spricht....
Gefeiert wird mit vielen Geschäftspartnern, Kunden und Freunden am Abend des 20. August 2010 im Schloss Schönfeld in der Nähe von Lampertswalde.

M. B.

Dienstag, 20. Juli 2010

Günter Heinz bringt Juan Carlos Valle zum Klingen

(Günter Heinz. Foto: HaJo Maquet)

Ende August wird eine Komposition des sächsischen Komponisten und Jazzers Günter Heinz, der in diesem Jahr für drei Monate Stipendiat der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen ist, zur Uraufführung kommen. Die Performance „Briefe aus Rauch“ wird anlässlich des Literaturfestivals „Bardinale“ aufgeführt.

Das Werk bezieht sich auf Texte des zeitgenössischen spanischen Dichters Juan Carlos Valle „Karlotti“. Es ist von höchster Konzentration, aber auch von größter Empfindsamkeit – wie die Worte des Dichters. Einzelne Worte, wie hingeworfen. Und doch erzeugen sie Bilder von großer Intensität. Die Texte werden von Vanessa Vidal (Valencia) in Originalsprache und auf Deutsch vorgetragen. Günter Heinz und Ruairí O’Brien eröffnen der Sprache mit ihrer Musik- und Lichtkompositionen einen erweiterten Erfahrungsraum, der alle Sinne anspricht.

Günter Heinz entdeckte den Dichter, dessen Texte erstmalig in Deutschland gelesen werden, durch eine Zeitungsnotiz, die ihn (den Musiker) mit Karlotti (dem Dichter) verglich.
Dort schrieb Ildefonzo Rodrigez: „… ich sah etwas, was ich zuvor noch nie gesehen hatte. Günter Heinz, dieser Musiker, der uns immer an Karlotti erinnert hat, gab seiner Posaune während des Konzerts einen Schluck Wein. Feinfühlig (alles an Günter ist feinfühlig, sein Sprudeln, Gurgeln, Glucksen, seine Klangblasen) erhob er ein mit rotem Wein gefülltes Glas und gab seiner Posaune zu trinken. Wie in der uralten Geschichte desjenigen, der Wein und Essen mit seinen Tieren teilt...“


Aufführungstermine:
29. August 2010 Freiberg/Sa. Dorfkirche Kleinwaltersdorf, Beginn: 20 Uhr
31. August 2010 Dresden, Jazzclub Neue Tonne, Beginn 20 Uhr
„Briefe aus Rauch“ von Günter Heinz
Vanessa Vidal (Sprecherin), Günter Heinz (Musik), Ruairi O’Brian (light art)

Freitag, 5. Februar 2010

Ganz konkret: Durch die Augen in den Sinn

Neue Publikation der Dresdner Galerie Konkret erschienen


Als Jochen Stankowski 1998 aus dem Rheinland nach Dresden kam, hatte er wohl nicht daran zu denken gewagt, neben seinen Hauptprofessionen hier einmal eine Galerie zu führen. Doch der Grafikdesigner, Maler, Fotograf oder, wie er sich selbst gern bezeichnet „Zeichensteller“ Stankowski, erkannte wohl den genius loci, und es fanden sich für eine Galerie geeignete Räume auf der Rothenburger Strasse: Nicht zu groß, hell und inmitten der pulsierenden Dresdner Neustadt gelegen. Thomas Kohl, in Dresden geboren, brachte in die Galerie seine Ideen und Erfahrungen als Industrie- und Grafikdesigner und als Verleger ein.

Seit 2005 bereichert die Galerie Konkret nun die Dresdner Kunstszene und zeigt mit der kürzlich herausgegebenen Publikation „Durch die Augen in den Sinn – Aspekte visueller Wahrnehmung“, wie zahl- und facettenreich das Ausstellungsgeschehen an diesem Ort ist.

Der Name der Galerie verweist auf eine Kunst, in der sich das Sichtbare nur auf sich selbst bezieht, auf Elementares reduziert, zu bewusstem Sehen und logischem Denken animiert. Ein im Jahre 1910 von Wassily Kandinsky gemaltes Aquarell steht am Beginn der als „Konkrete Kunst“ bezeichneten Kunstrichtung, deren Ziel Max Bill formulierte: „gegenstände für den geistigen gebrauch zu entwickeln“ - das bedeutet, Aufmerksamkeit zu lenken, Wahrnehmungsfunktionen zu schärfen, das Sehen zu schulen.

Man kann es ein Phänomen nennen, dass sich hier in Dresden, mehr noch als in anderen Zentren der Kunst, wie in Stuttgart oder Köln, über Jahrzehnte hinweg eine Szene konstruktiv und konkret arbeitender Künstler etablieren konnte.

Sie begründet sich auf den Reformbewegungen des beginnenden 20. Jahrhunderts mit Werkbund und bedeutenden Kunstausstellungen, knüpft an die Leistungen von Lehrern der Akademie für Kunstgewerbe, wie Carl Rade, und der Akademie der Bildenden Künste mit dem vom Bauhaus kommenden Mart Stam an.

Auch wirkten hier Franz Ehrlich, Hermann Glöckner und später Wilhelm Müller, Manfred Luther und Karl-Heinz Adler. Sie gaben in schwierigen Zeiten vielen Künstlern Maßstab und künstlerische Orientierung. Auffällig ist heute, dass viele der konstruktiv-konkret arbeitenden Künstler mit der Architektur-Fakultät der Technischen Universität verbunden waren oder sind, wie Karl-Heinz Adler, Karlheinz Georgi, Peter Albert, Dieter Schölzel, Eckhard Bendin, Wolff-Ulrich Weder, Niels-Christian Fritsche. Aber auch Gert Bär, Professor für Geometrie und Kinematik, gehört zu dem Kreis der „Konkreten“.

Das Buch „Durch die Augen in den Sinn“ stellt in zwei Hauptteilen die insgesamt 17 Ausstellungen und 14 Werkstattgespräche, die bisher in der „Galerie Konkret“ stattfanden, chronologisch vor. Dabei ist die Spannweite konstruktiv-konkreter Ausdrucksformen sowohl in den Ausstellungen als auch in den Texten und Vorträgen beeindruckend.

Dem Künstler Friedrich Kracht widmete Jochen Stankowski die erste Ausstellung. Aus heutiger Sicht ist es selbstverständlich, dass den Galeristen die besondere Persönlichkeit des Künstlers und sein kraftvolles Werk faszinierten. Die Bescheidung auf das Wesentliche in Form und Farbe, die kraftvolle Körperlichkeit, die sich doch in vielen Bildern einer rationalen Erfassung entzieht, stimulieren den Betrachter nicht nur zum genaueren Sehen, sondern provozieren durch Irritationen zum Nachdenken über die Verlässlichkeit des Sehens. Die Dokumentation der folgenden Präsentationen thematisiert u.a. den Blick auf gegensätzliche Formelemente, wie Linien und Flächen in ihren unterschiedlichen Konstellationen und Bedeutungen (Jochen Stankowski), Formfindungen aus systematischer Untersuchung von Veränderung des 2-Dimensionalen durch Faltung (Thomas Kohl: „Metamorphosen“), produkt- und baubezogene Arbeiten (Karl-Heinz Adler, Friedrich Kracht: „Formstein-System“), Farbe-Form Kompositionen (Folker Fuchs: „Module – serielle Räume“), die Wahrnehmung über die Kamera - konstruktivistische Fotografie (Stankowski: „Licht durch Schatten“), mathematische Gesetzmäßigkeiten in digitalen Bildern (Gert Bär: Visuelle Mathematik“) und Material-Farbe-Form-Relationen (Christine Weise: „Spiel der Fäden“).

Der 2. Teil „Werkstattgespräche“ verknüpft Konkrete Kunst mit Zeichensprachen aus den verschiedensten Berufsfeldern. So ist z.B. nachzulesen, wie der Komponist und Musiker Hartmut Dorschner mit graphischem Talent Partituren schreibt, in denen durch enge und weite Strukturen, dicke und dünne, gerade, gekräuselte, fallende, steigende Linien, Buchstaben, Silben, Worte die Dynamik des Stückes erkennbar wird.

Der Physiker Dietrich Schulze, ehemals Ordinarius an der Fachrichtung Physik, erkannte bei seiner Arbeit am Elektronenmikroskop Ähnlichkeiten in Werken der Kunst. Peter Grohmann, Kabarettist, Schriftsetzer und Schriftsteller interessieren die Buchstaben-, Wort und Sprachspiele. Gern lässt man sich ein, entdeckt das im Wort Versteckte und freut sich, dass der Schwachsinn gängiger Begriffe mit Humor entlarvt wird. Jens Besser bringt Writing und Street Art ins Bewusstsein – Interventionen, die Stadträume wesentlich prägen. Kaum vermag man sie zu entschlüsseln, doch vermitteln sie durch ihre Zeichenhaftigkeit Botschaften.

Die inhaltlich sehr reiche Publikation zeigt, dass sich die Galerie Konkret nach nur vier Jahren als lebendiger, fächerübergreifender und, Generationen verbindender Ausstellungs-, Bildungs- und Begegnungsort etabliert hat.

Das Buch ist aber weit mehr als eine Retrospektive: Es ist eine Art Lehrbuch für alle, die an elementaren Gestaltungsprozessen und ihren Resultaten interessiert sind. Zu wünschen ist, dass das Buch viele Leser erreicht und sie in ihrem Bemühen um gestalterische Qualität bestärkt.

Maria Obenaus

„Durch die Augen in den Sinn“, Jochen Stankowski, Nora Arnold, Thomas Kohl (Hg.), Die Verlagsgesellschaft, Dresden, 2010, 216 Seiten, 19,80 €
www.atelier-stankowski.de
www.verlagsgesellschaft.net

Freitag, 22. Januar 2010

Die Formulierung „Jazzclub Tonne in Dresden wieder eröffnet“ ist falsch und irreführend

Hinterm Tresen im Jazzclub Neue Tonne Dresden im Klubkeller auf der Königstraße 15 - etwa 2007 (Foto: V. S.)

Gelegentlich liest man seit Mitte Januar 2010 im Internet, in Web-Foren oder Nachrichtenportalen, die Formulierung „Jazzclub Tonne in Dresden wieder eröffnet“.

Diese Formulierung „Jazzclub Tonne in Dresden wieder eröffnet“ ist jedoch falsch. Es gibt keinen „Jazzclub Tonne“ mehr in Dresden, weder in den Gewölbekellern des Kurländer Palais noch an anderer Stelle. Diese falsche Formulierung weckt auch falsche Hoffnungen, was der Veranstalterin Gabriele Kaul gegenüber auch unfair wäre.

Richtig ist:
Im Rahmen eines kommerziellen Betreiberkonzeptes für die Räume des Kurländer Palais soll es neben vielfältigen anderen Veranstaltungen künftig einmal (!) im Monat ein Konzert mit Oldtime oder Swing mit anschließender Session und mit einem stilistisch entsprechendem DJ geben, gemeinsam veranstaltet vom Betreiber Mirco Meinel und der Jazzagentur Kaul (JAK).

Das Ganze läuft unter dem werbewirksamen Namen „Jazzclub Dresden“. So lange es bei einem oder nur sehr wenigen Konzerten monatlich bleibt, scheint mir persönlich die Bezeichnung „Jazzclub“ etwas hochgestochen zu sein. Immerhin gibt es in Dresden eine ganze Reihe von Veranstaltern, die mindestens einmal im Monat Jazzkonzerte anbieten - meist jedoch viel häufiger und sogar in „uriger“ Klubatmosphäre (Jazzclub Neue Tonne, Blue Note, riesa efau, diverse weitere in der Dresdner Neustadt).

Von einer Wiederkehr des alten „Tonne“-Gefühls mit Fettbemmen und Jeanslook im Keller des Kurländer Palais ist angesichts der aktuellen Situation mit Edel-Interieur und nicht gerade volkstümlichen Eintrittspreisen ohnehin nicht auszugehen.

Nach der Pleite des alten „Jazzclubs Tonne“ Ende November 2000 hatte sich der „Jazzclub Neue Tonne“ gegründet, der ab April 2002 im Kellergewölbe unter dem Kulturrathaus, Königstr. 15, ansässig ist. Seit vielen Jahren bietet er dort jährlich etwa 120 (also monatlich durchschnittlich zehn, angesichts der Sommer- und der Weihnachtspause eigentlich monatlich dreizehn) Konzertveranstaltungen an. Seit 2005 hat er mit den JAZZWELTEN wieder ein eigenes kleines Festival, das immer Ende März stattfindet. Im Jahr 2010 feiert dieser Verein mit zehn Höhepunkt-Konzerten über's Jahr verteilt seinen zehnten Geburtstag.

Der Jazzclub Neue Tonne hat sich sowohl den Begriff „Tonne“ im Zusammenhang mit Jazz, Musik, Klub u. v. m. als Wort-, das Logo als Bild- sowie das Logo mit dem Wort „Tonne“ als Bild-Wort-Marke rechtlich schützen lassen. Zur Geschichte des Logos mehr auf Jazz+Sonstiges.

Die Jazzagentur Kaul und die „Neue Tonne“ haben vereinbart, zu kooperieren und so weit wie möglich die Termine zu koordinieren.

Mathias Bäumel

Freitag, 27. November 2009

Kleine Klubs, große Karrieren - Was vor den großen Dresdner Konzerten der Stars passierte

(Rebekka Bakken. Foto: Bremme+Hohensee)

Wohl Anfang 1994 gaben die damals noch nicht sehr bekannten Fantastischen Vier im Dresdner Starclub (heute „Beatpol“) ein bejubeltes Konzert, und Starclubchef „Lotte“ Lachotta machte im Vorfeld auch unter Journalisten Werbung. Es sei das Beste, was der deutsche Hip Hop zu bieten habe, die Jungs würden noch ganz groß werden und man würde ein wichtiges Konzert verpassen, wenn man es verpassen würde. Lachottas Prophezeiung traf ein.

Ebenfalls im Starclub gab Mitte November 1996 Moby ein Konzert – um einiges früher als sein internationaler Durchbruch als Star 1999. Wieder hatte der Starclub ein feines Gespür für künstlerischen Wert und Potenzial; Moby gehört heute längst zu den ganz Großen der Popmusik.

Wenn Dresdner Medien heutzutage den Sänger Roger Cicero feiern, sei daran erinnert, dass der junge Mann sein erstes Konzert hier in der Region Anfang März 2006 in der „Tonne“ gegeben hatte.

Auch der im Juni 2008 tödlich verunglückte weltberühmte Pianist Esbjörn Svensson („e.s.t.“) musizierte schon vor vielen Jahren in der „Tonne“ – übrigens mit Nils Landgren und lange bevor er von der Dresdner Hochkultur für große Bühnen „entdeckt“ wurde.

Auch mit dem Konzert des Saxofonisten Rudresh Mahanthappa Ende März 2009 hatte die „Tonne“ ein gutes Händchen, wurde doch der Indoamerikaner wenige Wochen später von den weltweit einflussreichsten Jazzjournalisten in die allervordersten Poll-Plätze der Welt gewählt.

Der norwegische Pianist Helge Lien, im September 2008 in der „Tonne“ frenetisch gefeiert, könnte ein ähnlicher Fall werden; seit dem Herbst 2008 steigen Bekanntheitsgrad in internationalen Medien und die CD-Verkäufe gravierend.

Nun ist also die grandiose norwegische Sängerin Rebekka Bakken auf Tournee – am 27. November 2009 wurde sie deutschlandweit als Star im ARD-Morgenmagazin präsentiert; am 29. November 2009 singt sie im Dresdner Alten Schlachthof. Dem Dresdner Publikum erstmals vorgestellt wurde sie jedoch im Jazzclub Neue Tonne – schon vor knapp sieben Jahren am 22. Februar 2003, die Tickets damals für ungefähr ein Drittel des heutigen Preises.

Mit Recht also haben Beatpol und die „Tonne“ beim jeweiligen Publikum den Ruf, eine Art Trüffelschwein zu sein. Wer diese Klubs besucht, darf immer wieder musikalische Schätze erwarten, an deren Auffindung und Bergung diese kleinen Einrichtungen große Verdienste haben, während später dann große Veranstalter mit diesen Künstlern große Verdienste erzielen können.

Klubs wie der Beatpol und die „Tonne“ – und deutschlandweit gibt es eine ganze Reihe dieser Art, so dass sich diese Aussage verallgemeinern lässt – leben eben auch davon, dass sie entdeckerisch und riskant arbeiten.

Und sie spüren ständig die Folgen ihres Handelns. Sie können die schnell steigenden Gagen ihrer „Entdeckungen“ nicht mehr bezahlen – die öffentlichen Meriten erhalten nicht selten andere. Was solchen kleinen Klubs bleibt, ist die Zufriedenheit darüber, vielversprechenden Künstlern zu einem Schritt in die Welt der Karrieren verholfen zu haben. Immer wieder, ein normaler Vorgang.

Ein Vorgang, der darauf verweist, dass man Veranstaltungen nach mindestens zwei Kriterien beurteilen sollte. Einerseits nach der künstlerischen Leistung der Darbieter, andererseits nach den Leistungen der Veranstalter – es ist keine Kunst, mit viel Geld Gutes auf die Bühne zu stellen. Und mit viel Geld das Übliche auf die Bühne zu stellen, ist sogar kritikwürdig. Aber mit wenig Geld das Besondere präsentieren – das hält das Kulturleben in Schwung!

Mathias Bäumel