Dresden: Die Waldschlösschenbrücke. (Foto: M. B.)
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Donnerstag, 24. März 2016

Zum Beitrag »Kreuzchor ohne Kreuz« von Christian Wolff in der Sächsischen Zeitung

Besonders im Schwarz-Weiß-Zeitungsdruck schwer reproduzierbar: das neue Kreuzchor-»Logo«.

Zum Beitrag »Kreuzchor ohne Kreuz« von Christian Wolff in der Sächsischen Zeitung 12./13. März 2016-03-14 habe ich das Folgende anzumerken:

Der Beitrag beschreibt, dass sich der Kreuzchor anlässlich seines 800-jährigen Jubiläums aus Marketinggründen offenbar vom Bezug auf seine kirchliche, ja teilweise sogar humane Tradition loslöst. Dabei wird auch deutlich, dass der Chor es nicht zu einer neuen, tauglichen, Profil schaffenden Identität schafft, sondern »ohne Not ins ideologische und religiöse Niemandsland« abdriftet.

Wer jedoch ein Wischi-Waschi-Selbstbild von sich vermittelt, macht es Kommunikationsdesignern schwer, einen griffigen, wenn nötig neuen visuellen Außenauftritt zu entwickeln.
Bisher hatte der Kreuzchor ein brillantes, modern wirkendes, die symbolische Einbettung der Kirche und des Chores in die Gesellschaft visualisierendes Logo, das aus einer Kombination von offenem Zeichen und moderner Schrift besteht. Geschaffen hatte es der Künstler Bernd Hanke, der sich damit sogar bei gleich zwei entsprechenden Wettbewerben durchsetzte.

Dieses Logo hat der Kreuzchor im Zuge des Jubiläums aufgegeben. Nun hat er kein vergleichbar niveauvolles mehr.

Die neue Wortmarke, typografisch altertümelnd ausgeführt und mit ihrer Anmutung an die Typo-Gestaltung des früheren Zeitungstitels des Neuen Deutschlands erinnernd, entwickelt keine über die Bedeutung des Namens »Dresdner Kreuzchor« hinausgehende Symbolik, sie lässt sich im Zeitungsdruck, besonders im Falle von Schwarz-Weiß, schwer reproduzieren, wirkt sehr behäbig-blockig – ein weborientiertes Grafikdesign lässt sich eben nicht ohne Probleme im Print-Bereich anwenden.

Diese Wortmarke passt sich in ein Titelblatt-Design der Jubiläumsbroschüre ein, das gestalterisch eher einer Festschrift für einen Bestatter-Verband entspricht als der für einen weltbekannten, zeitgemäßen Knabenchor mit langer Tradition, der seine exzellente Kunst in der heutigen Zeit präsentieren will.

Dass das Heft auch noch dreist mit der inhaltlich falschen Formulierung »800 Jahre 2016« überschrieben ist, lässt einen genauso ratlos zurück wie die Tatsache, dass das Backcover der Broschüre (und weitere Seiten) Kreuzschüler nicht vor der Kreuz- sondern vor der Frauenkirche zeigt. Da ist die Bezugnahme auf Bach kein schwacher Trost. Dass die Jubiläumsbroschüre nichts ernsthaft Historisches enthält und damit auch die Behauptung nicht belegen kann, der Chor sei gerade jetzt wirklich 800 Jahre alt (das nämlich ist in der Fachwelt umstritten), trägt zum Ärger bei.

Mathias Bäumel

PS.: Der obige Ausriss mit dem neuen »Logo« entstammt den DNN vom 4. März 2016.

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