Dresden: Die Waldschlösschenbrücke. (Foto: M. B.)
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Montag, 3. August 2015

Darf die Klaviatur in dieser Weise gespielt werden?

»In der Flüchtlings-Zeltstadt geht die Krätze um« und »Massenschlägerei zwischen Syrern und Afghanen in der Zeltstadt« – das sind die Aufmacher-Überschriften auf Seite 1 der Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31. Juli 2015 bzw. 3. August 2015. Gedruckt in Riesenlettern, damit eine besonders herausgehobene Wichtigkeit suggerierend. Natürlich: Die hiermit kommunizierten Fakten stimmen. Aber zeugen Größe und Position dieser Headlines von Verantwortungsbewusstsein? Hier wird Sensationslüsternheit bedient und mit Vorurteilen gespielt. Beim Gebrauch des Wortes Krätze schwingt die jahrhundertealte Stigmatisierung ausgegrenzter und gar unerwünschter Menschen als dreckig und unsauber mit. Natürlich: Als Nachricht gehört das Thema ins Blatt. Aber darf die Klaviatur genau in dieser Weise gespielt werden? Und die Schlägerei? Hat man je gesehen, dass Berichte über Schlägereien groß auf Seite 1 gezogen werden und dabei die Nationalitäten der Schläger zur Spitzennachricht gemacht werden? Etwa wie: »Massenschlägereien zwischen Deutschen vor dem Stern in Prohlis«? Natürlich nicht. Nur dann, wenn es sich um Ausländer handelt. Ergo: Die DNN scheint sich damit endgültig vom verantwortungsvollen Journalismus verabschiedet zu haben. Adieu!

(M. B.)

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