Dresden: Die Waldschlösschenbrücke. (Foto: M. B.)
sss

Dienstag, 7. September 2010

Vom Kundendienst der Telekom oder: Wie man jede Lust auf dieses Unternehmen verliert

(Kein Anschluss? Foto: Joujou/pixelio)

Dresden, Montag, 6. September 2010. Der Tag eines freischaffenden Werbegrafikers und Buchgestalters begann - - - oder nein, er begann doch noch nicht richtig. Internet ging nicht, E-Mail-Empfang keiner, auch das Telefon war tot... Na ja, vielleicht eine kleine Störung, da mach ich unterdessen etwas anderes, dachte der Grafiker.
Dann gegen zehn Uhr: Immer noch alles tot!
Also doch die Telekom anrufen und die Störung reklamieren. Darum bat mich nun der Grafiker, denn dessen Telefon war ja tot und meins funktioniert.

Nachdem ich mich durch automatisierte Fragen durchgehangelt habe, kommt die Automatenantwort, dass auf dem von mir angegeben Anschluss DSL zeitweise nur eingeschränkt zur Verfügung stehe und dass man daran arbeite. Okay, denke ich missmutig, und lege auf.

Kurz vor elf Uhr geht immer noch nichts, ich rufe wieder an, hangele mich wieder durch die Automatenstimmenschleifen, höre, dass ein Problem bekannt sei und man daran arbeite und antworte mit „Ja“, als der Automat mich fragt, ob ich dennoch einen Kundenberater wünsche. Der geht nach längerem Warten bei unerträglicher Computermusik auch an den Apparat. Ja, es sei ein Problem in den Leitungen oder in Knotenpunkten, man habe schon mehrere Störungen in Dresden, wir müssten jedoch keinen Termin beim Grafiker vor Ort machen, an der in den Leitungsbereichen angesiedelten Störung werde gearbeitet. Wie lange das dauern würde, frage ich. Innerhalb von 24 Stunden müssen solche Störungen behoben sein, antwortet er. Nun gut.

Abends probiere ich immer mal wieder, rufe den Grafiker an – nichts, tot.

Am Folgetag, dem heutigen 7. September, teste ich neugierig gleich früh – nichts, immer noch alles tot. Die Zeit vergeht. Mittlerweile sind die 24 Stunden längst rum.

Von zehn Uhr bis zehn Uhr siebenundvierzig versuche ich nochmals von meinem Telefon aus, Hilfe zu bekommen. Vergebens. Wie am Vortag wieder die Automatenstimme. Die Störung sei bekannt, man würde mich benachrichtigen, wenn sie behoben wäre. Wiederum sage ich „Ja“ auf die computergenerierte Frage, ob ich dennoch einen Kundenberater wünsche, und dreimal quäle ich mich durch schier unerträgliche Klingel-Klangel-Synthesizer-Popmusik – jedes Mal, bis ich gestoppt werde mit der Computer-Ansage, dass alle Abfrageplätze besetzt seien und ich in einiger Zeit wieder anrufen solle.

So geduldig ich auch bin, es steigt Wut in mir auf. Im Zeitraum elf Uhr vierzig bis elf Uhr fünfzig dasselbe Spiel, bis zum bitteren Ende – der Ansage mit den vollständig belegten Abfrageplätzen und dem Kappen der Verbindung...
Mein Herz pocht, und ich muss an Lenin denken, der gesagt haben soll, der Terrorismus sei ein Produkt der Verzweiflung. - Aber: Ich bewahre Ruhe.

Zwölf Uhr zwanzig versuche ich es noch einmal, und siehe da, zwölf Uhr achtunddreißig habe ich einen lebendigen Gesprächspartner am telefonischen „Abfrageplatz“. Der stellt fest, dass die Leitungen alle in Ordnung seien. Dass aber der Fehler möglicherweise zu einer Verstellung der Einstellungen der Telekom-Anlage im Büro des Werbegrafikers geführt haben könnte. Dies habe man dem Kunden ja mitteilen und ihm Anweisungen übermitteln wollen, wie er die Anlage wieder zurücksetzen könne, aber da sei schon ewig besetzt... – Was? Besetzt? Welche Nummer man denn angerufen habe die ganze Zeit, frage ich. - - - Kurzes Schweigen, darauf – erst leise, dann sich langsam zu Normallautstärke steigernd – nennt er genau die Nummer, die seit mehr als einen Tag gestört, also tot ist.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt (etwa 16.15 Uhr) ist der Fehler noch nicht behoben.

(aufgeschrieben von M. B.)