Dresden: Die Waldschlösschenbrücke. (Foto: M. B.)
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Montag, 10. März 2014

Eiferer kaum klüger als Autorin

Es ist das übliche Eifern und Geifern in unserer Gesellschaft der Zeichensetzer ... Da hat sich jemand im Ton vergriffen und irreführende Analogien bemüht – und schon schäumen Wellen der Empörung aus den Texten und Beiträgen mancher betroffenheitstriefender Medien. Die eigentliche Frage, die der Rede Sybille Lewitscharoffs vom 2. März 2014 entnommen werden kann und sollte, wird dadurch verdrängt: Hat der Einzelne ein Recht darauf, mit dem Partner oder der Partnerin seiner Wahl ein gemeinsames Kind zu bekommen? Wenn es ein solches uneingeschränktes Recht gibt, hat die Gesellschaft die Pflicht, alles wissenschaftlich-technisch Mögliche in Bewegung zu setzen, damit der Einzelne zu diesem seinem Recht kommt. Oder sollte das wissenschaftlich-technisch Mögliche bestimmen, ob der Anspruch des Einzelnen legitim und moralisch gerechtfertigt ist?
In jedem Falle ist der Vergleich Lewitscharoffs mit Zeugungspraktiken im Dritten Reich voll daneben, vor allem aber vom Kernthema wegführend. In einem Falle handelt es sich um Fragen des individuellen Glücksanspruchs, im anderen Falle um die politisch-diktatorische Durchsetzung einer rassistischen Ideologie. Schade, dass Lewitscharoff mit ihrem Vergleich selbst erheblich dazu beigetragen hat, eine Diskussion loszutreten, die für das eigentlich wichtige Thema unproduktiv ist. Aber: Die reflexartigen Reaktionen in der Öffentlichkeit haben das nicht besser gemacht, es hat sich dabei erwiesen, dass die Eiferer kaum klüger sind als die Autorin.

M. B.

Dienstag, 4. März 2014

Vortrag in Dresden: »Probleme von Minderheitssprachen in Europa«

Einen Vortrag zum Thema »Probleme von Minderheitssprachen in Europa – Forschung und Lehre an der Universität Leipzig« veranstaltet das Esperanto-Zentrum Dresden mit dem Freundeskreis Esperanto an der TU Dresden am 7. März 2014 (16.15 Uhr, von-Gerber-Bau, Bergstraße 53, Raum 246). Gastredner ist Prof. Dr. Eduard Werner, Institut für Sorabistik der Universität Leipzig. Der Eintritt ist frei.

(M. B.)

Mittwoch, 5. Februar 2014

Wer wird neuer Dynamo-Geschäftsführer?

Spielwiese Dynamo Dresden: Steffen Menze und Christian Müller sind weg. Für Menze kommt Minge. – Aber wer für Müller? Im Anforderungsprofil der Stellenausschreibung auf der Web Site von Dynamo Dresden steht: »Sie verfügen über umfassende Erfahrung in einer Führungsposition im Bereich Sportmanagement, möglichst in einem Fußballverein, und sind eine kommunikations- und führungsstarke, interdisziplinär versierte Persönlichkeit. Sie haben sehr gute sportfachliche und betriebswirtschaftliche Kenntnisse.«

Allein damit schon dürfte sich Dynamo festgelegt haben – gegen manchen Namen, der in der Presse derzeit herumgeistert. Weder Volker Oppitz, Stefan Bohne noch Thomas Bohn dürften diese Bedingung der »umfassenden Erfahrung« in einer »Führungsposition« erfüllen. – Oder will Dynamo für Lacher sorgen? – Man darf gespannt sein.

M. B.

Freitag, 13. Dezember 2013

Buchpremiere »Von Adam bis Zobel – Ein Wagnersänger-Alphabet« am 19. Dezember

Die Premiere des Buches von Boris Gruhl »Von Adam bis Zobel – ein Wagnersänger-Alphabet« findet am 19. Dezember 2013 im Festsaal des Cosel-Palais in Dresden statt.

Eine einmalige Gelegenheit für alle Dresdner Wagneropern-Fans!


M. B.

Montag, 9. Dezember 2013

Gewaltexzesse beim Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen – Bayern München

Am 9. Dezember 2013 war im Internet und anderswo – beispielsweise auf der Web Site von Radio Bremen – die Nachricht zu lesen, dass es in Bremen im Kontext des Fußballspieles Werder gegen Bayern München zu Gewalttätigkeiten und Ausschreitungen gekommen sei.

Der Inhalt der auf eine dpa-Meldung zurückgehenden Nachricht lautet:

Bei einer Massenschlägerei zwischen Anhängern von Werder Bremen und Bayern München sind acht Polizisten leicht verletzt worden. Bei der vermutlich verabredeten Auseinandersetzung vor dem Spiel der Fußball-Bundesliga am 7. Dezember 2013 prügelten sich nach Angaben der Polizei im Bremer Viertel rund 200 zugereiste Bayern-Fans mit ebenso vielen Werder-Anhängern.
»Das war heftig«, bilanzierte ein Polizist. Die Polizei trennte die Gruppen mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Einige Rowdys setzten ihrerseits Pfefferspray gegen die Beamten ein. 15 Schläger wurden bis zum Ende des Spiels in Gewahrsam genommen. Polizisten haben nach dem Spiel im Weser-Stadion nach eigenen Angaben rund 250 Ultras aus München zu deren Reisebussen in der Neustadt begleitet. »Diese Situation war für uns sehr ungewöhnlich«, sagte ein Polizeisprecher zu Radio Bremen. Die Münchener Anhänger seien in Bremen in der Vergangenheit überwiegend friedlich aufgetreten. Dem Sprecher zufolge waren die Bayern-Ultras dagegen »zielgerichtet und gut vorbereitet« nach Bremen gekommen, um sich in der Stadt mit den Werder-Anhängern zu prügeln.


Wird das auch so behandelt wie die Vorfälle in Bielefeld? Immerhin: Dresden ist vorstrafenfrei.

M. B.

Donnerstag, 21. November 2013

Buch zu Velemir Dugina jetzt auch an der Kasse des Dresdner Jazzclubs Tonne im Angebot

Diesmal eine kleine Werbung in eigener Sache. Mein am 9. Oktober 2013 veröffentlichtes Büchlein »Velemir Dugina – Eine Spurensuche« liegt momentan im Buchhaus Dresden-Loschwitz zum Kauf bereit. Es ist natürlich in jeder weiteren Buchhandlung bestellbar, manchmal auch schon vorrätig.

Neu ist nun, dass Jazzfreunde das Büchlein auch bei jedem Konzert im Jazzclub Tonne an der Abendkasse kaufen können.

Zum Inhalt:
Ein einzelner Grabstein auf einem unscheinbaren, winzigen Friedhof auf der Adriainsel Cres wurde zum Ausgangspunkt einer Spurensuche. Wer war dieser »Professor Violine«, wie der auf dem Stein mit einem vergilbten Foto in Erinnerung gehaltene junge Mann genannt wurde? Der in Australien geborene und in Rijeka und Triest aufgewachsene Musiker Velemir Dugina setzte Anfang 1987 seinem Leben 29-jährig ein Ende. Der Autor dieses Büchleins versucht, mit Hilfe nur weniger Anhaltspunkte und Informationen das kurze Leben des Violinisten und Komponisten wenigstens in groben Umrissen zu rekonstruieren. Herausgekommen ist nicht nur eine fragmentarische biografische Skizze eines Musikers, der sich wie die allermeisten seines Faches jenseits des Star-Zirkusses hingebungsvoll seinem künstlerischen Beruf widmete, ohne je berühmt zu werden. Entstanden ist durch die Nachzeichnung dieses Schicksals auch ein angedeutetes Bild des kulturellen und historischen Reichtums einer Region, die sich von Friaul Julisch-Venetien über Triest bis hinein in den Kvarner Golf und darüber hinaus erstreckt.

Selbstverständlich gibt es das Bändchen auch über Amazon und über den Verlag SchumacherGebler.

Vielleicht für manche ein geeignetes Weihnachtsgeschenk?

Übrigens: Die exzellente buchgestalterische Ausstattung besorgte Kerstin Hübsch (Grundsatz – Büro für Grafikdesign).

M. B.

Dienstag, 15. Oktober 2013

Gespräche zwischen Dynamo Dresden und dem DFB könnten Veränderungen bewirken

Soll es im deutschen Fußball so bleiben, wie es ist? Dies ist die eigentliche Frage, um die es gegenwärtig bei der Auseinandersetzung zwischen Dynamo Dresden und dem DFB gehen sollte.

Wenn Dynamo Dresden sich bis Ende Oktober 2013 entscheiden muss, ob es vor ein staatliches Gericht zieht, um die Grenzen und Ungerechtigkeiten der Fußball-Sportgerichtsbarkeiten zu durchbrechen, sollten alle Beteilgten bedenken: erst in zweiter Linie geht es um Gerechtigkeit für den Dresdner Kult-Fußballklub. Zuallererst muss die Frage im Mittelpunkt stehen, ob die sogenannte verschuldensunabhängige Haftung, wie sie im Paragraphen 9a der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB festgeschrieben ist, für den deutschen Fußball noch zeitgemäß oder für ihn vielleicht doch eher schädlich ist. Wenn dies geklärt ist, kann über den Weg hin zu besseren Verhältnissen gesprochen werden.

Zum ersten sollte grundsätzlich die Richtigkeit und Wirksamkeit von finanziellen Strafen auf dem Prüfstand! Eine kontraproduktive Üblichkeit in unserer Gesellschaft ist die Gepflogenheit, Einnahmen abhängig vom Ausmaß des Fehlverhaltens zu machen. Die Kommunen haben umso mehr Einnahmen, je mehr Falschparker und Raser dingfest gemacht werden. Der Staat spült sich umso mehr Geld in die Kassen, je mehr Menschen rauchen und saufen. Das Wohl von Staat und Kommunen steigt mit steigender Menge des Fehlverhaltens. Einleuchtend, dass diese gängige Konstruktion das Engagement gegen Fehlverhalten stark bremst.

Der DFB zieht Strafgelder ein, wenn es in und vor den Stadien zu Gewalttaten und Pyro-Missbrauch kommt. Je mehr Gewalttaten und je mehr Pyro-Missbrauch, desto höher die Einnahmen. Wieso sollte also das Engagement des DFB gegen Gewalttaten und Pyro-Missbrauch glaubhaft sein?

Schlimm dabei ist nun besonders, dass der DFB die Clubs sogar dann zur Kasse bitten kann, wenn denen absolut keine Verfehlungen vorzuwerfen sind – wie aktuell auch im Falle von Dynamo Dresden.

Mindestens genauso schlimm ist weiterhin, dass die auf diese Weise bestraften Klubs weniger Geld für Fanarbeit ausgeben können. Mit anderen Worten: Der Vollzug der Geldstrafe verbessert die Entstehungsbedingungen für künftige Gewalttaten. Möglicherweise ein Teufelskreis!

Zum zweiten muss die sicherheitsgefährdende Rolle der »verschuldensunabhängigen Haftung« zum Anlass für ein grundsätzliches Umdenken gemacht werden.
Mit dem Paragraphen 9a seiner Rechts- und Verfahrensordnung legt nämlich der DFB das Schicksal des Fußballs in die Hände von Kriminellen.
Denn eins ist klar: Jeder Fan jedes beliebigen Vereins kann sich in die Farben des Konkurrenzvereins kleiden und Raketen abfeuern, jeder Sicherheitsmitarbeiter am Einlass kann Pyrotechnik und Flaschen bei den ins Stadion strömenden Gästefans geflissentlich übersehen. Auch deshalb ist das Sanktionierungssystem, bei dem die Vereine für die Gewalttaten von Kriminellen bestraft werden, kontraproduktiv. Denn damit macht man die Vereine vom Willen dieser Kriminellen abhängig oder sie sogar erpressbar. Süffisant stellte mancher Journalist nach dem Dortmund-Spiel am 25. Oktober 2011 die Frage, wie lange sich ein Sponsor solche Randale bieten lassen könne. Was den Dynamo-Sponsor Veolia sogleich veranlasste, seinen Ausstieg anzudrohen.

Folgendes Beispiel kann die gefährliche Rolle der »verschuldensunabhängigen Haftung« verdeutlichen: Spiegel Online zufolge verabredeten sich damals rechtsextreme Gewalttäter aus Dortmund, Dresden und weiteren Regionen per E-Mail bereits unmittelbar nach der Auslosung des DFB-Pokalspiels Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden (25. Oktober 201) am 7. August 2011 mit dem Ziel, dieses Fußballspiel als Bühne für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Seit dieser Auslosung arbeitete ein ganzes Netzwerk Gewaltbereiter und Rechtsextremer daran, der Öffentlichkeit zum Spieltag mittels Taten zu zeigen, »wer Deutschland wirklich ist«, wie dem Spiegel zufolge ein gewisser Schorsch, ein einflussreicher Vertreter des Nationalen Widerstands Ruhrgebiet, formulierte.
Randale, Gewalt und Chaos begleiteten dann tatsächlich dieses Pokalspiel und führten schließlich zu einer Verurteilung des Dresdner Fußballvereins.

Gegen solche organisierte Kriminalität vorzugehen und sie zu verhindern, haben Fußballklubs weder juristische (polizeiliche und geheimdienstliche) Befugnisse noch organisatorische Möglichkeiten. Aber der DFB will, dass sie für die Kriminellen büßen. Das bedeutet nichts anderes, als dass der DFB das Schicksal der Klubs in die Hände von Kriminellen legt – halten die den Daumen hoch (wenn keine Randale organisiert wird), kommt der Fußballklub ungeschoren davon, senken die den Daumen und organisieren Randale, ist der betreffende Verein eigentlich unabwendbar (s)einer Strafe ausgeliefert.

Auf diese Weise haben es Kriminelle in der Hand, die Geschicke im Fußball mitzusteuern!

Zum dritten muss ein Etikettenschwindel aufgeklärt werden. Bei der Formulierung »verschuldensunabhängige Haftung« handelt es sich ja keineswegs um eine »Haftung«, also darum, dass irgendjemand für nachweislich entstandenen Schaden haftet, sondern um eine Sanktion, um eine Strafe. Darf richtig sein, dass nicht der Täter verfolgt und bestraft wird (darum drücken sich die Strafverfolgungsbehörden meist), sondern der, der zuerst und am leichtesten greifbar ist?

Dass – viertens – die bisher von der DFB-Gerichtsbarkeit gefällten Urteile gegen Dynamo Dresden im Vergleich zu denen gegen andere Klubs meist unverhältnismäßig streng und damit ungerecht waren, hat ebenfalls eine sicherheitsgefährdende Dimension. Die Urteile nach dem betreffenden Dortmund-Spiel von 2011 zeigten, wie wenig ernst es dem DFB beim Kampf gegen Gewalt vor und in den Stadien ist. Erinnern wir uns an die Tatsache, dass das Sportgericht mit seiner Strafe gegen die Begünstiger der Gewalt in Dortmund – das dortige Einlass- und Kontrollpersonal – noch hinter dem Antrag des DFB-Kontrollausschusses zurückgeblieben ist. Das glich einer Aufforderung an alle künftigen Einlass- und Kontrollkräfte der Klubs, bei konkurrierenden Gastvereinen sogar riesig große Böller und Raketen, Baseballschläger und Schlagringe geflissentlich zu übersehen.

Wohin will der DFB? Wenn er wirklich für eine größere Sicherheit in und vor den Stadien eintreten will, sollte er sich wohlwollend mit Dynamo an einen Tisch setzen und gemeinsam mit allen Fußballklubs – auch mit den Dresdnern – alte Zöpfe abschneiden und aktiv nach Lösungen suchen.
Dann müsste Dynamo nicht im Interesse des Fußballs vor ein staatliches Gericht ziehen.

M. B. (korr. 16.10.2013)