Dresden: Die Waldschlösschenbrücke. (Foto: M. B.)
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Mittwoch, 8. Februar 2012

Italienische Opernmelodien im Dresdner Jazzclub Tonne – lyrisch und melodiös

(Das Duo Danilo Rea und Flavio Boltro am 10. 2. 2012 in der »Tonne«. Foto: Beniamino Girotti/PR)

Opernprojekte von Jazzmusikern gibt es einige, so aktuell Gianluigi Trovesis » All’Opera. Profumo Di Violetta« und, in gewisser Weise, Michel Godards »Monteverdi – A Trace of Grace«. Meist geht es dabei um eigene, freie und spielerische Ensemble-Interpretationen. Einen demgegenüber ganz besonderen Weg jedoch geht der italienische Pianist Danilo Rea. Schon mit seiner Solo-Piano-CD »Lirico« (Egea Records, 2007) arbeitete er – nomen est omen – das Lyrische der Melodien einzelner Arien heraus. Gemeinsam mit dem Trompeter Flavio Boltro intensiviert er nun dieses Konzept, konzentriert sich dabei ausschließlich auf die »klassischen« italienischen Opernkomponisten. Die CD »Opera« (ACT, 2011) legt davon Zeugnis ab. Beide zusammen kommen nun am Freitag mit diesem Programm in die Dresdner »Tonne«.

Vom ersten Ton an präsentieren sich Rea und Boltro auf als überragende Lyriker, ohne Scheu vor Pathos und dem ganz großen Gefühl. Im Fokus steht der melodische Gehalt der Vorlagen. Oper und Jazz fließen harmonisch ineinander. Nie klingt es bemüht oder mechanisch. Bestes Beispiel dafür ist Puccinis »Sinfonia dal Guglielmo Tell«: so flott das Tempo ist, nie wird unnötig forciert. Die Konzentration liegt ganz auf die dem Stück innewohnende Dramatik, wobei Rea und Boltro die ideale Verbindung von überragender Technik, einem verblüffenden Arrangement und improvisatorischer Kraft gelingt.

Die beiden finessenreichen Italiener können mit ihren melodieorientierten Interpretationen von Opernmelodien etwas ganz Besonderes bieten – so hat man Monteverdi, Bellini, Rossini oder Puccini noch nie gehört! Wer Musik auch als Reduktion aufs Wesentliche (im Falle von Opern meist das Melodiöse) begreift, könnte hier einen unvergesslichen Abend erleben.

Freitag, 10. Februar 2012 (21 Uhr), Jazzclub Tonne
Danilo Rea – p
Flavio Boltro – tp
Restkarten zu 15 Euro (11 Euro ermäßigt) an der Abendkasse.

Mathias Bäumel

Montag, 20. September 2010

Haben die Jazzer gekniffen?

Der Jazzclub Neue Tonne veröffentlicht eine Broschüre zum Wende-Jazz in Dresden

Es ist zweifelsohne der bessere Weg: Erinnern und überlegen statt polemisieren und denunzieren. Schon Titel und Untertitel stecken den Rahmen für eine Broschüre ab, die jetzt vom Jazzclub Neue Tonne vorgelegt wird und sich mit dem „Jazz in Dresden rund um die politische Wende“ beschäftigt. „Streiflichter – Erinnerungen und Überlegungen“ sind die gerademal 55 Seiten benannt. Kein brisantes Enthüllungswerk ist es geworden, sondern das übersichtliche Bündeln von übersichtlichen Ereignissen, gipfelnd im Jahr 1989.

Viviane Czok-Gökkurt, die zum Thema eine hier Grundlage bildende Magisterarbeit verfasst hat, und der Dresdner Journalist und Jazzkenner Mathias Bäumel streifen als Textautoren im wahrsten Sinne des Wortes das, was den Klassiker Jazz im Veranstaltungsgeschehen populärer Musik der Spät-DDR ausgemacht hat, wie er sich über die brisanten Wochen hinweg präsentierte und wohin er führte. Das Vorhaben wurde maßgeblich vom Hannah-Arendt-Institut gefördert, allzu neue Erkenntnisse über den „Totalismus“ dürften dabei ausgeblieben sein. Und so wird „Streiflichter“ selbst zum Streiflicht.

Helmut Gebauer, Vorsitzender des Neue-Tonne-e.V., gelingt es auf vortreffliche, nahezu essayistische Art, in seinem Vorwort das Ansinnen des Projekts mit weiter greifenden Gedanken zu untersetzen, vor allem auch, wenn er schließt: „Neigt der Jazz zu unpolitischem Ästhetizismus? Darüber sollten wir nachdenken.“ Denn auf den folgenden Seiten wird deutlich, dass sich die meisten aktiven Jazzer aus allen, Mut erfordernden politischen Aktivitäten der „heißen Tage“ herausgehalten haben. Die mittlerweile legendäre September-Resolution von Populär-Kulturschaffenden der DDR sah so gut wie keine Jazzmusiker unterzeichnen, aus Dresden nicht einmal Musiker. Wobei der Gerechtigkeit halber erwähnt werden muss, dass in den Wohnungen von Unruhigen sehr wohl an eigenen, den Geist der Berliner Kollegen unterstützenden Stellungnahmen gearbeitet wurde, so besonders im Umfeld der Rockband Zwei Wege. Haben die Jazzer gekniffen? Man sollte sie danach fragen.

„Streiflichter“ gliedert sich in das Auflisten politischer, zumeist auf Dresden bezogener Fixpunkte und untersetzt diese mit Bezügen, wenn möglich, zum Jazz, aber durchaus auch zum Privaten. Die Edition schlägt eine Brücke von 89er Veranstaltungen in der Tonne hin zu 2009, als das Projekt „Wendejazz“ mit zwei thematischen Konzerten und einer Ausstellung initiiert wurde. Das Büchlein verlagert relevante Diskussionen und Gespräche zurück auf die vor allem persönliche Ebene. Es ist wohl der beste Weg in einem Land, das sich in Sachen gepflegter Streitkultur kaum von der Stelle bewegt. Jetzt, 20 Jahre danach, wo die meisten, die es wirklich wollten, ihre „Akte(n)“ gesehen, Klarnamen entdeckt und autonom ihre Entscheidung getroffen haben, was sie damit anfangen wollen. Insofern ist jene Stelle etwas unglücklich, da im Versuch, Strukturen der Stasi-Infiltrierung des Kulturbetriebs zu benennen, doch noch zwei IM quasi als Ross und Reiter gleichermaßen auftauchen, während andere mit einem „XY“ eher angemessen davonkommen. Das wäre verzichtbar gewesen.

Ohne die inhaltlichen Aspekte gering zu schätzen: Eine wunderbare Aufwertung bekommt „Streiflichter“ durch die Optik. Bis auf eine Ausnahme sind von den 1989er Tonne-Veranstaltungen keine Fotos mehr vorhanden. Einer, der zu dieser Zeit viel fotografiert hat, der zudem als Zuhörer im guten Sinne Jazz war, ließ seine Arbeiten vernichten, bevor ihn eine schwere Krankheit 1999 in die Knie zwang: Jürgen Haufe, Grafiker, Maler. Undatierte, unsignierte und bislang unveröffentlichte Skizzen wurden von Gestalterin Kerstin Hübsch im guten Sinne zusammengepuzzelt, so, dass sie weit mehr als illustrieren, sondern das gesamte Konzept mittragen. Denn, was anders als Streiflichter hat der großartige Künstler und Mensch Haufe mit Papier und Bleistift geschaffen?

Andreas Körner

„Streiflichter“ gibt es zum Preis von fünf Euro im Sweetwater Recordstore Dresden-Loschwitz sowie zu den Veranstaltungen im Jazzclub Neue Tonne.

(Das Original des Artikels erschien zuerst in den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18./19. September 2010.)

Dienstag, 20. Juli 2010

Günter Heinz bringt Juan Carlos Valle zum Klingen

(Günter Heinz. Foto: HaJo Maquet)

Ende August wird eine Komposition des sächsischen Komponisten und Jazzers Günter Heinz, der in diesem Jahr für drei Monate Stipendiat der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen ist, zur Uraufführung kommen. Die Performance „Briefe aus Rauch“ wird anlässlich des Literaturfestivals „Bardinale“ aufgeführt.

Das Werk bezieht sich auf Texte des zeitgenössischen spanischen Dichters Juan Carlos Valle „Karlotti“. Es ist von höchster Konzentration, aber auch von größter Empfindsamkeit – wie die Worte des Dichters. Einzelne Worte, wie hingeworfen. Und doch erzeugen sie Bilder von großer Intensität. Die Texte werden von Vanessa Vidal (Valencia) in Originalsprache und auf Deutsch vorgetragen. Günter Heinz und Ruairí O’Brien eröffnen der Sprache mit ihrer Musik- und Lichtkompositionen einen erweiterten Erfahrungsraum, der alle Sinne anspricht.

Günter Heinz entdeckte den Dichter, dessen Texte erstmalig in Deutschland gelesen werden, durch eine Zeitungsnotiz, die ihn (den Musiker) mit Karlotti (dem Dichter) verglich.
Dort schrieb Ildefonzo Rodrigez: „… ich sah etwas, was ich zuvor noch nie gesehen hatte. Günter Heinz, dieser Musiker, der uns immer an Karlotti erinnert hat, gab seiner Posaune während des Konzerts einen Schluck Wein. Feinfühlig (alles an Günter ist feinfühlig, sein Sprudeln, Gurgeln, Glucksen, seine Klangblasen) erhob er ein mit rotem Wein gefülltes Glas und gab seiner Posaune zu trinken. Wie in der uralten Geschichte desjenigen, der Wein und Essen mit seinen Tieren teilt...“


Aufführungstermine:
29. August 2010 Freiberg/Sa. Dorfkirche Kleinwaltersdorf, Beginn: 20 Uhr
31. August 2010 Dresden, Jazzclub Neue Tonne, Beginn 20 Uhr
„Briefe aus Rauch“ von Günter Heinz
Vanessa Vidal (Sprecherin), Günter Heinz (Musik), Ruairi O’Brian (light art)

Freitag, 22. Januar 2010

Die Formulierung „Jazzclub Tonne in Dresden wieder eröffnet“ ist falsch und irreführend

Hinterm Tresen im Jazzclub Neue Tonne Dresden im Klubkeller auf der Königstraße 15 - etwa 2007 (Foto: V. S.)

Gelegentlich liest man seit Mitte Januar 2010 im Internet, in Web-Foren oder Nachrichtenportalen, die Formulierung „Jazzclub Tonne in Dresden wieder eröffnet“.

Diese Formulierung „Jazzclub Tonne in Dresden wieder eröffnet“ ist jedoch falsch. Es gibt keinen „Jazzclub Tonne“ mehr in Dresden, weder in den Gewölbekellern des Kurländer Palais noch an anderer Stelle. Diese falsche Formulierung weckt auch falsche Hoffnungen, was der Veranstalterin Gabriele Kaul gegenüber auch unfair wäre.

Richtig ist:
Im Rahmen eines kommerziellen Betreiberkonzeptes für die Räume des Kurländer Palais soll es neben vielfältigen anderen Veranstaltungen künftig einmal (!) im Monat ein Konzert mit Oldtime oder Swing mit anschließender Session und mit einem stilistisch entsprechendem DJ geben, gemeinsam veranstaltet vom Betreiber Mirco Meinel und der Jazzagentur Kaul (JAK).

Das Ganze läuft unter dem werbewirksamen Namen „Jazzclub Dresden“. So lange es bei einem oder nur sehr wenigen Konzerten monatlich bleibt, scheint mir persönlich die Bezeichnung „Jazzclub“ etwas hochgestochen zu sein. Immerhin gibt es in Dresden eine ganze Reihe von Veranstaltern, die mindestens einmal im Monat Jazzkonzerte anbieten - meist jedoch viel häufiger und sogar in „uriger“ Klubatmosphäre (Jazzclub Neue Tonne, Blue Note, riesa efau, diverse weitere in der Dresdner Neustadt).

Von einer Wiederkehr des alten „Tonne“-Gefühls mit Fettbemmen und Jeanslook im Keller des Kurländer Palais ist angesichts der aktuellen Situation mit Edel-Interieur und nicht gerade volkstümlichen Eintrittspreisen ohnehin nicht auszugehen.

Nach der Pleite des alten „Jazzclubs Tonne“ Ende November 2000 hatte sich der „Jazzclub Neue Tonne“ gegründet, der ab April 2002 im Kellergewölbe unter dem Kulturrathaus, Königstr. 15, ansässig ist. Seit vielen Jahren bietet er dort jährlich etwa 120 (also monatlich durchschnittlich zehn, angesichts der Sommer- und der Weihnachtspause eigentlich monatlich dreizehn) Konzertveranstaltungen an. Seit 2005 hat er mit den JAZZWELTEN wieder ein eigenes kleines Festival, das immer Ende März stattfindet. Im Jahr 2010 feiert dieser Verein mit zehn Höhepunkt-Konzerten über's Jahr verteilt seinen zehnten Geburtstag.

Der Jazzclub Neue Tonne hat sich sowohl den Begriff „Tonne“ im Zusammenhang mit Jazz, Musik, Klub u. v. m. als Wort-, das Logo als Bild- sowie das Logo mit dem Wort „Tonne“ als Bild-Wort-Marke rechtlich schützen lassen. Zur Geschichte des Logos mehr auf Jazz+Sonstiges.

Die Jazzagentur Kaul und die „Neue Tonne“ haben vereinbart, zu kooperieren und so weit wie möglich die Termine zu koordinieren.

Mathias Bäumel

Freitag, 27. November 2009

Kleine Klubs, große Karrieren - Was vor den großen Dresdner Konzerten der Stars passierte

(Rebekka Bakken. Foto: Bremme+Hohensee)

Wohl Anfang 1994 gaben die damals noch nicht sehr bekannten Fantastischen Vier im Dresdner Starclub (heute „Beatpol“) ein bejubeltes Konzert, und Starclubchef „Lotte“ Lachotta machte im Vorfeld auch unter Journalisten Werbung. Es sei das Beste, was der deutsche Hip Hop zu bieten habe, die Jungs würden noch ganz groß werden und man würde ein wichtiges Konzert verpassen, wenn man es verpassen würde. Lachottas Prophezeiung traf ein.

Ebenfalls im Starclub gab Mitte November 1996 Moby ein Konzert – um einiges früher als sein internationaler Durchbruch als Star 1999. Wieder hatte der Starclub ein feines Gespür für künstlerischen Wert und Potenzial; Moby gehört heute längst zu den ganz Großen der Popmusik.

Wenn Dresdner Medien heutzutage den Sänger Roger Cicero feiern, sei daran erinnert, dass der junge Mann sein erstes Konzert hier in der Region Anfang März 2006 in der „Tonne“ gegeben hatte.

Auch der im Juni 2008 tödlich verunglückte weltberühmte Pianist Esbjörn Svensson („e.s.t.“) musizierte schon vor vielen Jahren in der „Tonne“ – übrigens mit Nils Landgren und lange bevor er von der Dresdner Hochkultur für große Bühnen „entdeckt“ wurde.

Auch mit dem Konzert des Saxofonisten Rudresh Mahanthappa Ende März 2009 hatte die „Tonne“ ein gutes Händchen, wurde doch der Indoamerikaner wenige Wochen später von den weltweit einflussreichsten Jazzjournalisten in die allervordersten Poll-Plätze der Welt gewählt.

Der norwegische Pianist Helge Lien, im September 2008 in der „Tonne“ frenetisch gefeiert, könnte ein ähnlicher Fall werden; seit dem Herbst 2008 steigen Bekanntheitsgrad in internationalen Medien und die CD-Verkäufe gravierend.

Nun ist also die grandiose norwegische Sängerin Rebekka Bakken auf Tournee – am 27. November 2009 wurde sie deutschlandweit als Star im ARD-Morgenmagazin präsentiert; am 29. November 2009 singt sie im Dresdner Alten Schlachthof. Dem Dresdner Publikum erstmals vorgestellt wurde sie jedoch im Jazzclub Neue Tonne – schon vor knapp sieben Jahren am 22. Februar 2003, die Tickets damals für ungefähr ein Drittel des heutigen Preises.

Mit Recht also haben Beatpol und die „Tonne“ beim jeweiligen Publikum den Ruf, eine Art Trüffelschwein zu sein. Wer diese Klubs besucht, darf immer wieder musikalische Schätze erwarten, an deren Auffindung und Bergung diese kleinen Einrichtungen große Verdienste haben, während später dann große Veranstalter mit diesen Künstlern große Verdienste erzielen können.

Klubs wie der Beatpol und die „Tonne“ – und deutschlandweit gibt es eine ganze Reihe dieser Art, so dass sich diese Aussage verallgemeinern lässt – leben eben auch davon, dass sie entdeckerisch und riskant arbeiten.

Und sie spüren ständig die Folgen ihres Handelns. Sie können die schnell steigenden Gagen ihrer „Entdeckungen“ nicht mehr bezahlen – die öffentlichen Meriten erhalten nicht selten andere. Was solchen kleinen Klubs bleibt, ist die Zufriedenheit darüber, vielversprechenden Künstlern zu einem Schritt in die Welt der Karrieren verholfen zu haben. Immer wieder, ein normaler Vorgang.

Ein Vorgang, der darauf verweist, dass man Veranstaltungen nach mindestens zwei Kriterien beurteilen sollte. Einerseits nach der künstlerischen Leistung der Darbieter, andererseits nach den Leistungen der Veranstalter – es ist keine Kunst, mit viel Geld Gutes auf die Bühne zu stellen. Und mit viel Geld das Übliche auf die Bühne zu stellen, ist sogar kritikwürdig. Aber mit wenig Geld das Besondere präsentieren – das hält das Kulturleben in Schwung!

Mathias Bäumel

Montag, 12. Oktober 2009

Der Grafiker Jürgen Haufe hätte am 15. Oktober 2009 seinen 60. Geburtstag gefeiert


Jürgen Haufe 1998. (Foto: M. B.)

Am 15. Oktober 2009 wäre der Dresdner Künstler Jürgen Haufe sechzig Jahre alt geworden. Haufe war einer der künstlerisch potentesten und kreativsten Grafiker, Grafikdesigner und Plakatgestalter der DDR, später Deutschlands und weit darüber hinaus.
International waren Haufes Plakat-Arbeiten geschätzt und wurden in den Grafik-Metropolen dieser Welt gezeigt, so in Warschau, Brünn, Ljubljana, Berlin, Toyama, Ogaki, Tokio, Osaka (alle Japan), Lahti und Helsinki (Finnland). Plakate von ihm befinden sich in Sammlungen und Galerien in Berlin, Essen, Lahti, Toyama, Warschau, Zürich, Hamburg, Brünn, Cottbus und natürlich auch in den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden.

In Dresden jedoch ist Jürgen Haufe ganz besonders für seine Plakate und grafischen Ausstattungen inklusive der Programmheft-Gestaltungen für Premieren im Staatsschauspiel Dresden und in der Staatsoperette Dresden, für die Filmnächte am Elbufer und für den Dresdner Striezelmarkt bekannt geworden, aber auch für seine freien Grafiken, Collagen und Malerei, Performance-Dokumentationen und Fotografien.

Nach dem Tode Jürgen Haufes am 12. September 1999 schrieb Heike Müller-Merten im „SCHAUSPIEL“ Nr.2,1999/2000 über Jürgen Haufe und die Arbeitsgruppe Theaterplakat:
„Eine Vereinigung von Künstlern solchen Formats, die ob ihrer selbstlosen Zielsetzung und ansteckenden Neugier auf das andere Medium Theater inspirierend wirkte, sucht heute ihresgleichen und war wohl nur in einer bestimmten zeitlichen und personellen Konstellation möglich... Haufe hatte das Problembewusstsein, die verschwenderische Phantasie und den Ehrgeiz eines Künstlers – ohne je den partnerschaftlichen Blick für sein Gegenüber, seinen Nebenmann zu verlieren. Weil er andere Künste und Künstler akzeptierte und liebte, gelangen ihm seine wunderbaren Plakate. Er entwarf bissig-komische oder sachliche Programmhefttitel. Wie viel Mühe im Detail, wie viel Spaß bei der gemeinsamen Ideensuche, den frechen Collagen, den assoziativen Blättern. Stets zollte er den Regisseuren, ihren künstlerischen Überzeugungen Respekt. Eine jahrelange Frucht bringende Zusammenarbeit.“

Sehr viele seiner Werke zeigen, dass er sich dem freien, zeitgenössischen Jazz besonders verbunden fühlte. Zum damaligen Jazzclub Tonne Dresden hatte Jürgen Haufe ein besonderes Verhältnis: Viele seiner Werke fußten auf Skizzen, die er – meist in der ersten Reihe sitzend – zu Konzerten in der „Tonne“ angefertigt hatte. Die auch vom heutigen Verein Jazzclub Neue Tonne Dresden verwendete Wort-Bildmarke mit der Trompete stammt von Jürgen Haufe und wurde von ihm im Laufe der Zeit mehrmals gestalterisch überarbeitet.
Ebenfalls von diesem Künstler stammten viele Plakate des damaligen „Tonne“-Vereins, vor allem für das damalige Festival der „Tonne“, für den „Dresdner Jazzherbst“.

Jürgen Haufe starb wenige Tage vor seinem 50. Geburtstag, am 12. September 1999.


Jürgen Haufe gestaltete das Cover für die Joe-Sachse-CD „Ballade für Jimi Metag“ (1999, Born&Bellmann).