Dresden: Die Waldschlösschenbrücke. (Foto: M. B.)
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Donnerstag, 30. Oktober 2014

DFB-Pokal: Borussia gegen Dynamo – Erinnerungen werden wach

Im DFB-Pokal-Achtelfinale (am 3. und 4. März 2015) wird Borussia Dortmund zu Gast bei Dynamo Dresden sein. Fußballerisch besonders für Dynamo ein Hammerlos!

Da werden Erinnerungen wach an das Pokalspiel am 25. Oktober 2011 in Dortmund, als Dynamo verlor und als es zu gewalttätigen Ausschreitungen kam. SPIEGEL ONLINE hatte recherchiert, dass diese Massenkrawalle langfristig seit Bekanntwerden der Auslosung per Internet von rechtsextremen Dortmundern, weiteren Rechten und Gewaltbereiten aus dem Bundesgebiet, darunter auch viele aus Dresden, geplant, vorbereitet und organisiert worden waren.

Die allermeisten Medien hatten jedoch im Nachhinein den Dresdner Fans die Schuld gegeben, gegen Dynamo ergingen einschneidende Sanktionen. Der DFB als Marionette in den Händen der Gewaltszene?

Kein Fußballklub jedoch kann allein und in eigener Verantwortung mit Erfolg eine solche von vielen Seiten per Internet verabredete Krawall- und Gewaltgroßaktion verhindern.

Noch ist etwas Zeit: Im Hinblick auf das Pokalspiel im März 2015 bleibt die Forderung zu allererst an den Verfassungsschutz und an die Polizei und deren Vermögen zur Kooperation, dann natürlich auch an beide Klubs, ähnliche Bestrebungen der gewaltbereiten Szene bundesweit im Voraus zu erkennen und zu unterbinden.

M. B.

Montag, 21. Juli 2014

Meine Meinung: Rückblick auf Irrtümer und Problemdiskussionen rund um Dynamo Dresden

Der Start in die Drittliga-Saison 2014/2015 steht nun unmittelbar bevor. Grund genug, auf ein paar Irrtümer und Problemdiskussionen im Zusammenhang mit Dynamo Dresdens Abstieg aus der 2. Bundesliga zurückzublicken.

Sportliche Fragen
Ein in den letzten Monaten häufig gemachter Vorwurf lautet, der frühere Sportdirektor Menze und der frühere Trainer Loose hätten die Mannschaft falsch zusammengestellt und Spieler geholt, die überwiegend nicht zweitligatauglich seien.

Doch das trifft nicht zu. Einerseits bekommt man die besten Spieler nicht, wenn man nur wenig Geld ausgeben kann. Andererseits waren Spieler wie Savić, Gueye, Brégerie, anfangs Poté und Dedic, später auch Ouali, Losilla, aber auch Aoudia Leistungsträger im Dynamo-Team. Sie und einige andere (je nachdem, welche Saison man betrachtet) sorgten dafür, dass Dynamo zweimal nicht abstieg.
Natürlich gab es im Laufe der Zeit immer wieder auch Spieler, die nicht so einschlugen. Doch von den etwas renommierteren waren wohl nur Christoph Menz (sein mieser Auftritt in Schwarzgelb gegen seinen früheren Verein Union Berlin am 9. August 2013 war wohl das Beste, was er je für Union geleistet hat) und Vincenzo Grifo (der auch nicht der Ära Menze angerechnet werden kann) Totalausfälle. Die Tatsache, dass bisher fast alle Absteiger-Spieler bei anderen Klubs auf Zweitliganiveau wieder Verträge – wenn auch manchmal geringer dotiert – erhalten haben, zeigt, dass sie so schlecht nicht sind.

Für den sportlich-tabellarischen Niedergang 2013/2014 dürfte wohl eher das Unvermögen der Dynamo-Führung hauptverantwortlich gewesen sein, Trainer mit den jeweils benötigten Fähigkeiten zu binden. Aber auch Zufälle spielten eine Rolle.

Dass Ralf Loose, der Wikipedia zufolge schon 2004/2005 zu den verheißungsvollsten deutschen Trainertalenten zählte, irgendwann einmal »verschlissen« sein würde, ist normal.
Dass man aber für Looses Nachfolge mit Peter Pacult ausgerechnet einen Mann holte, der Dynamo schon einmal im Regen stehen ließ, und dem man nachsagt, nicht gerade ein Motivator, dafür aber ein grantelnd-selbstherrlich über die Spielerköpfe hinweg Agierender zu sein, war als drastischer Fehlgriff voraussehbar. Und dass man Pacult später sofort nach dem Erfolg (!) in der Abstiegsrelegation 2012/2013 mittels einer intrigant wirkenden oder zumindest unprofessionellen Informationspolitik des Aufsichtsrates öffentlich demontierte, musste den Verein und den Teamgeist der Spieler erschüttern. Der Fall Pacult war der Quell fast allen darauffolgenden Übels.
Die vereinsinternen Folgen einschließlich des katastrophalen Saisonstartes 2013/2014 mit zwei von zwölf möglichen Punkten konnten danach nicht mehr durchgreifend beseitigt werden; auch Pacults Nachfolger Olaf Janßen, der der zer- oder gebrochenen Mannschaft zeitweise wieder Teamgeist induzierte, vermochte das nicht.

Auch wenn vor allem Mängel bei der Führung Dynamos und im Trainer-Bereich hauptverantwortlich für den Abstieg in die 3. Liga am Ende der Saison 2013/2014 zu sein scheinen, spielten wohl auch Zufälle das Zünglein an der Waage. Als sicher darf gelten: Wenn sich Aoudia nicht verletzt hätte, wäre Dynamo nicht abgestiegen. Und wenn Adnan Mravac – als Folge seiner im Spiel noch nicht erkannten Kopfverletzung – am 10. November 2013 gegen Aue nicht das Tor für Aue unverschuldet »verursacht« hätte, wohl auch nicht.

Ob die jetzige sportliche Führung ihre Sache besser machen wird, darf man skeptisch sehen. Immerhin hat der Dynamo-Verein seinem gegenwärtigen Sportdirektor auch einen der riskantesten Trainerfälle Dynamos mitzuverdanken: Minge verhalf als damaliger Geschäftsführer Sport dem Holländer Ruud Kaiser, der Dynamo sportlich fast in den Abgrund stürzte, im Juni 2008 zum Trainerposten. Und der gegenwärtig im Aufsichtsrat für die sportlichen Belange sitzende Dixie Dörner? Einst war er als Aktiver einer der begnadetsten Liberos Europas. Als Trainer legte er dann ab 1997 eine Abwärtslaufbahn hin und blieb in diesem Beruf bisher ohne größere Bedeutung.

Überhaupt: Bei Dynamo scheint man dem Irrglauben nachzuhängen, mit dem sportlichen Erfolg käme auch wirtschaftliche Sanierung. Doch nur andersherum wird ein Fußballschuh daraus: Sportlicher Erfolg entsteht nur durch und in der Folge einer wirtschaftlichen Gesundung.

Die Richtigkeit dieses Prinzips wird bisher von RB Leipzig eindrucksvoll bestätigt. Es wäre lächerlich, wollte man die Leipziger dafür kritisieren, dass sie das gemacht haben, was die Dresdner Vereinsführung seit Jahren nicht hingekriegt hat: das gemeinsame Ziehen aller Führungspersonen an einem Strang in eine Richtung auf der Basis und für eine wirtschaftliche Solidität.

Stadion-Fragen
Das heißt sicher als allererstes: Das Problem der sehr hohen Gesamtkosten für die Nutzung des Stadions (Miete, Betriebskosten, Nebenkosten und weitere) muss gelöst werden.

Dynamo konnte bisher im Zweitligavergleich überdurchschnittlich hohe Besucherzahlen zu Heimspielen generieren. Das Konstrukt mit der das Stadion betreibenden Projektgesellschaft sorgt jedoch dafür, dass die von den Fans aufgebrachten hohen Ticketeinnahmen nicht im erforderlichen Maße wirklich dem sportlichen Bereich zugute kommen. Irgendwas läuft schief, wenn Dynamo (in der 2. Bundesliga) bloß etwa so viel Geld für Spieler ausgeben kann wie ein kleinerer Verein mit viel weniger Ticket- und Sponsoreneinnahmen. Hier steht die Frage: Warum sollten die Dynamo-Fans mit ihren Eintrittsgeldern weiterhin die Projektgesellschaft und damit indirekt einen großen europäischen Baukonzern reicher machen, obwohl die Ticket-Einnahmen doch aus der Begeisterung für die Mannschaft generiert werden?

Die jetzige Situation scheint die Folge einer politischen Entscheidung zu sein, die man als typisch für Dresden empfinden kann.
Die Spatzen pfiffen es damals von den Dächern, dass Dresden in den neunziger Jahren im Vorfeld der Bewerbung Deutschlands um die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaften 2006 ein modernes Fußballstadion fast zum Nulltarif erhalten sollte – sogar, wie von manchen Dresdnern gewünscht, im Ostra-Gehege. Doch das Dresden der Herbert-Wagner-Ära lehnte offenbar ab. Eine Entscheidung, die sowohl der Stadt als auch Dynamo viel Geld kostete.

Mit dem Aufstieg Dynamos 2004 in die 2. Bundesliga wurde die Stadionfrage allein schon aus Sicherheitsgründen wieder aktuell, dennoch blieb im politischen Raum das Thema Stadion Zankapfel und »heiße Kartoffel«. Klar war: Es musste ein modernes Stadion her, aber keiner wollte oder konnte eins bauen.

Die »Rettung« kam mit dem neuen Oberbürgermeister Ingolf Roßberg. Im Frühjahr 2007 wurden die entsprechenden – aus heutiger Sicht für die Stadt und für Dynamo finanziell sehr problematischen Verträge – unterschrieben. Ab Herbst 2007 wurde das neue Stadion gebaut, eröffnet wurde es im September 2009.
Dynamo, im Sommer 2006 wieder abgestiegen, hatte damit endlich eine wunderschöne, den Sicherheitsvorschriften genügende Heimstatt – letzteres eine Voraussetzung für die 2. Bundesliga. Aber der Fußballverein hatte damit gleichzeitig einen finanziellen »Bleiklotz« am Bein, der einen fairen Wettbewerb mit anderen Fußballclubs sowie eine zukunftsorientierte Entwicklung des sportlichen Bereiches stark, vielleicht sogar existenzgefährdend behindert. Ralf Minge zumindest, damals schon einmal Sportdirektor, sah Medien zufolge den Verein wegen des Stadionvertragswerkes nicht mehr wettbewerbsfähig.

Die Frage muss gestattet sein: Wer eigentlich verdient wieviel am Stadion und warum? Dynamo Dresden zahlt und die Stadt Dresden zahlt, und beide nicht gerade wenig, ohne jemals Eigentümer zu werden. Es muss jedoch einen Ausweg geben, denn andernorts ist es ja auch möglich, für deutlich weniger Geld ein modernes Stadion so zu nutzen, dass man als Verein noch viel finanzielle »Luft« für die Entwicklung des sportlichen Bereichs hat.

M. B.

Mittwoch, 5. Februar 2014

Wer wird neuer Dynamo-Geschäftsführer?

Spielwiese Dynamo Dresden: Steffen Menze und Christian Müller sind weg. Für Menze kommt Minge. – Aber wer für Müller? Im Anforderungsprofil der Stellenausschreibung auf der Web Site von Dynamo Dresden steht: »Sie verfügen über umfassende Erfahrung in einer Führungsposition im Bereich Sportmanagement, möglichst in einem Fußballverein, und sind eine kommunikations- und führungsstarke, interdisziplinär versierte Persönlichkeit. Sie haben sehr gute sportfachliche und betriebswirtschaftliche Kenntnisse.«

Allein damit schon dürfte sich Dynamo festgelegt haben – gegen manchen Namen, der in der Presse derzeit herumgeistert. Weder Volker Oppitz, Stefan Bohne noch Thomas Bohn dürften diese Bedingung der »umfassenden Erfahrung« in einer »Führungsposition« erfüllen. – Oder will Dynamo für Lacher sorgen? – Man darf gespannt sein.

M. B.

Montag, 9. Dezember 2013

Gewaltexzesse beim Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen – Bayern München

Am 9. Dezember 2013 war im Internet und anderswo – beispielsweise auf der Web Site von Radio Bremen – die Nachricht zu lesen, dass es in Bremen im Kontext des Fußballspieles Werder gegen Bayern München zu Gewalttätigkeiten und Ausschreitungen gekommen sei.

Der Inhalt der auf eine dpa-Meldung zurückgehenden Nachricht lautet:

Bei einer Massenschlägerei zwischen Anhängern von Werder Bremen und Bayern München sind acht Polizisten leicht verletzt worden. Bei der vermutlich verabredeten Auseinandersetzung vor dem Spiel der Fußball-Bundesliga am 7. Dezember 2013 prügelten sich nach Angaben der Polizei im Bremer Viertel rund 200 zugereiste Bayern-Fans mit ebenso vielen Werder-Anhängern.
»Das war heftig«, bilanzierte ein Polizist. Die Polizei trennte die Gruppen mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Einige Rowdys setzten ihrerseits Pfefferspray gegen die Beamten ein. 15 Schläger wurden bis zum Ende des Spiels in Gewahrsam genommen. Polizisten haben nach dem Spiel im Weser-Stadion nach eigenen Angaben rund 250 Ultras aus München zu deren Reisebussen in der Neustadt begleitet. »Diese Situation war für uns sehr ungewöhnlich«, sagte ein Polizeisprecher zu Radio Bremen. Die Münchener Anhänger seien in Bremen in der Vergangenheit überwiegend friedlich aufgetreten. Dem Sprecher zufolge waren die Bayern-Ultras dagegen »zielgerichtet und gut vorbereitet« nach Bremen gekommen, um sich in der Stadt mit den Werder-Anhängern zu prügeln.


Wird das auch so behandelt wie die Vorfälle in Bielefeld? Immerhin: Dresden ist vorstrafenfrei.

M. B.

Dienstag, 15. Oktober 2013

Gespräche zwischen Dynamo Dresden und dem DFB könnten Veränderungen bewirken

Soll es im deutschen Fußball so bleiben, wie es ist? Dies ist die eigentliche Frage, um die es gegenwärtig bei der Auseinandersetzung zwischen Dynamo Dresden und dem DFB gehen sollte.

Wenn Dynamo Dresden sich bis Ende Oktober 2013 entscheiden muss, ob es vor ein staatliches Gericht zieht, um die Grenzen und Ungerechtigkeiten der Fußball-Sportgerichtsbarkeiten zu durchbrechen, sollten alle Beteilgten bedenken: erst in zweiter Linie geht es um Gerechtigkeit für den Dresdner Kult-Fußballklub. Zuallererst muss die Frage im Mittelpunkt stehen, ob die sogenannte verschuldensunabhängige Haftung, wie sie im Paragraphen 9a der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB festgeschrieben ist, für den deutschen Fußball noch zeitgemäß oder für ihn vielleicht doch eher schädlich ist. Wenn dies geklärt ist, kann über den Weg hin zu besseren Verhältnissen gesprochen werden.

Zum ersten sollte grundsätzlich die Richtigkeit und Wirksamkeit von finanziellen Strafen auf dem Prüfstand! Eine kontraproduktive Üblichkeit in unserer Gesellschaft ist die Gepflogenheit, Einnahmen abhängig vom Ausmaß des Fehlverhaltens zu machen. Die Kommunen haben umso mehr Einnahmen, je mehr Falschparker und Raser dingfest gemacht werden. Der Staat spült sich umso mehr Geld in die Kassen, je mehr Menschen rauchen und saufen. Das Wohl von Staat und Kommunen steigt mit steigender Menge des Fehlverhaltens. Einleuchtend, dass diese gängige Konstruktion das Engagement gegen Fehlverhalten stark bremst.

Der DFB zieht Strafgelder ein, wenn es in und vor den Stadien zu Gewalttaten und Pyro-Missbrauch kommt. Je mehr Gewalttaten und je mehr Pyro-Missbrauch, desto höher die Einnahmen. Wieso sollte also das Engagement des DFB gegen Gewalttaten und Pyro-Missbrauch glaubhaft sein?

Schlimm dabei ist nun besonders, dass der DFB die Clubs sogar dann zur Kasse bitten kann, wenn denen absolut keine Verfehlungen vorzuwerfen sind – wie aktuell auch im Falle von Dynamo Dresden.

Mindestens genauso schlimm ist weiterhin, dass die auf diese Weise bestraften Klubs weniger Geld für Fanarbeit ausgeben können. Mit anderen Worten: Der Vollzug der Geldstrafe verbessert die Entstehungsbedingungen für künftige Gewalttaten. Möglicherweise ein Teufelskreis!

Zum zweiten muss die sicherheitsgefährdende Rolle der »verschuldensunabhängigen Haftung« zum Anlass für ein grundsätzliches Umdenken gemacht werden.
Mit dem Paragraphen 9a seiner Rechts- und Verfahrensordnung legt nämlich der DFB das Schicksal des Fußballs in die Hände von Kriminellen.
Denn eins ist klar: Jeder Fan jedes beliebigen Vereins kann sich in die Farben des Konkurrenzvereins kleiden und Raketen abfeuern, jeder Sicherheitsmitarbeiter am Einlass kann Pyrotechnik und Flaschen bei den ins Stadion strömenden Gästefans geflissentlich übersehen. Auch deshalb ist das Sanktionierungssystem, bei dem die Vereine für die Gewalttaten von Kriminellen bestraft werden, kontraproduktiv. Denn damit macht man die Vereine vom Willen dieser Kriminellen abhängig oder sie sogar erpressbar. Süffisant stellte mancher Journalist nach dem Dortmund-Spiel am 25. Oktober 2011 die Frage, wie lange sich ein Sponsor solche Randale bieten lassen könne. Was den Dynamo-Sponsor Veolia sogleich veranlasste, seinen Ausstieg anzudrohen.

Folgendes Beispiel kann die gefährliche Rolle der »verschuldensunabhängigen Haftung« verdeutlichen: Spiegel Online zufolge verabredeten sich damals rechtsextreme Gewalttäter aus Dortmund, Dresden und weiteren Regionen per E-Mail bereits unmittelbar nach der Auslosung des DFB-Pokalspiels Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden (25. Oktober 201) am 7. August 2011 mit dem Ziel, dieses Fußballspiel als Bühne für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Seit dieser Auslosung arbeitete ein ganzes Netzwerk Gewaltbereiter und Rechtsextremer daran, der Öffentlichkeit zum Spieltag mittels Taten zu zeigen, »wer Deutschland wirklich ist«, wie dem Spiegel zufolge ein gewisser Schorsch, ein einflussreicher Vertreter des Nationalen Widerstands Ruhrgebiet, formulierte.
Randale, Gewalt und Chaos begleiteten dann tatsächlich dieses Pokalspiel und führten schließlich zu einer Verurteilung des Dresdner Fußballvereins.

Gegen solche organisierte Kriminalität vorzugehen und sie zu verhindern, haben Fußballklubs weder juristische (polizeiliche und geheimdienstliche) Befugnisse noch organisatorische Möglichkeiten. Aber der DFB will, dass sie für die Kriminellen büßen. Das bedeutet nichts anderes, als dass der DFB das Schicksal der Klubs in die Hände von Kriminellen legt – halten die den Daumen hoch (wenn keine Randale organisiert wird), kommt der Fußballklub ungeschoren davon, senken die den Daumen und organisieren Randale, ist der betreffende Verein eigentlich unabwendbar (s)einer Strafe ausgeliefert.

Auf diese Weise haben es Kriminelle in der Hand, die Geschicke im Fußball mitzusteuern!

Zum dritten muss ein Etikettenschwindel aufgeklärt werden. Bei der Formulierung »verschuldensunabhängige Haftung« handelt es sich ja keineswegs um eine »Haftung«, also darum, dass irgendjemand für nachweislich entstandenen Schaden haftet, sondern um eine Sanktion, um eine Strafe. Darf richtig sein, dass nicht der Täter verfolgt und bestraft wird (darum drücken sich die Strafverfolgungsbehörden meist), sondern der, der zuerst und am leichtesten greifbar ist?

Dass – viertens – die bisher von der DFB-Gerichtsbarkeit gefällten Urteile gegen Dynamo Dresden im Vergleich zu denen gegen andere Klubs meist unverhältnismäßig streng und damit ungerecht waren, hat ebenfalls eine sicherheitsgefährdende Dimension. Die Urteile nach dem betreffenden Dortmund-Spiel von 2011 zeigten, wie wenig ernst es dem DFB beim Kampf gegen Gewalt vor und in den Stadien ist. Erinnern wir uns an die Tatsache, dass das Sportgericht mit seiner Strafe gegen die Begünstiger der Gewalt in Dortmund – das dortige Einlass- und Kontrollpersonal – noch hinter dem Antrag des DFB-Kontrollausschusses zurückgeblieben ist. Das glich einer Aufforderung an alle künftigen Einlass- und Kontrollkräfte der Klubs, bei konkurrierenden Gastvereinen sogar riesig große Böller und Raketen, Baseballschläger und Schlagringe geflissentlich zu übersehen.

Wohin will der DFB? Wenn er wirklich für eine größere Sicherheit in und vor den Stadien eintreten will, sollte er sich wohlwollend mit Dynamo an einen Tisch setzen und gemeinsam mit allen Fußballklubs – auch mit den Dresdnern – alte Zöpfe abschneiden und aktiv nach Lösungen suchen.
Dann müsste Dynamo nicht im Interesse des Fußballs vor ein staatliches Gericht ziehen.

M. B. (korr. 16.10.2013)

Freitag, 16. August 2013

Wie Dynamo-Trainer Peter Pacult seinen schweren Job in Dresden zu verstehen scheint

Hat das etwas mit Kultur zu tun – oder eher mit Unkultur? Mit Spielkultur jedenfalls hatte die provokante Bewegungsarmut der Dynamo-Kicker gegen Union Berlin am vergangenen Freitag (9. August 2013) nichts am Hut!

Können die nicht besser? Oder wollen die nicht? Ein Eindruck drängt sich hierbei auf: Sie wollen mit Trainer Pacult nicht.

Und der? Kann der nicht besser? Oder will er nicht? Immerhin hat er die Mannschaft personell so auf- und taktisch so eingestellt, dass der Misserfolg fast schon garantiert war. Die Spielgenialität von Fiél hatte Pacult so weit wie möglich wirkungslos gemacht, indem der Spanier unmittelbar vor der Spitze sich totlaufen sollte. Die eigene Angriffswucht bremste Pacult durch den Einsatz von nur einem Stümer, den er noch dazu auf sich allein gestellt kämpfen und damit abgemeldet ließ. Hohe, weite Flanken immer nur auf Poté erwiesen sich für Pacult als »Erfolgsrezept« – so macht man nämlich keine Tore. Intelligentes Spiel will Pacult vermeiden. Dass Pacult um fast jeden Preis verhindern wollte, dass Dynamo ins gegnerische Netz trifft und vielleicht doch noch gewinnt, erkannte man daran, dass er noch beim Stand von 0:3 zwei Verteidiger (!) einwechselte – und erst, als für das Schießen eigener vier Tore kaum noch Zeit war, schickte er Dedic als zweiten Stürmer aufs Feld.

Die Zuschauer waren empört (meine Karte beispielsweise hat etwa 25 Euro gekostet), verließen zum Teil früher das Stadion, um das herum man ebenso wie in den heimfahrenden Straßenbahnen hörte: So lange der Pacult Trainer ist, gehen wir nicht mehr ins Stadion!

Und Pacult selbst? Der findet die Spielweise seiner Mannschaft nicht schlimm – kein Wunder! Denn wenn er so weitermacht, ist seine »Beurlaubung« nicht mehr weit. Genau das würde, so vermuten viele, den Pacult sicher freuen, hätte er doch dann einen Haufen Schmott abgesahnt, ohne noch weiter dafür arbeiten zu müssen. Das nämlich scheint der Wiener zu beabsichtigen.

Ein Teil der Dresdner Fußballfreunde wünscht sich, dass Pacult von selbst geht. Diese Fans würden dann wieder zu den Heimspielen ins Stadion kommen, und ihrem Lieblingsfußballklub bliebe eine Menge an Kosten erspart.
Doch wahrscheinlich wird es bei der erlebten Unkultur des Umganges des Herrn Pacult mit seinem Klub bleiben.

M. B.

Montag, 7. März 2011

Dynamo als Dresden-Botschafter, nicht als unseriösen Krawall-Klub sehen

(Quelle: Dynamo Dresden)

Sommer 2009. Im bulgarischen Weliko Tarnowo versuche ich dem etwa 35-jährigen Besitzer der kleinen Pension zu erklären, woher ich komme: »Dresden.« – »Ah – Dynamo Dresden!«, war die strahlende Antwort.
Ähnliches lief einige Tage später im albanischen Shëngjin ab – »Oh, Dynamo Dresden!« rief der junge Mann, diesmal keine dreißig, spontan aus, als ich seine Frage nach meiner Heimatstadt beantwortete.

Dresden ist eine kleine Stadt, aber auch München ist in Amerika, Südafrika oder Asien nicht wegen der Pinakotheken und der Oper bekannt, sondern – ob das dem Kunstliebhaber nun gefällt oder nicht – wegen des Hofbräuhauses und Bayern München.

Wenn man es in Sachsens Kleinresidenz ernst meint mit einem zukunftsorientierten Dresdner Selbstverständnis und einem schlüssigen Marketingkonzept, sollte man Dynamo Dresden nicht wie ein ungeliebtes Stiefkind behandeln, dem man unwillig und unter Drohungen aus der Patsche hilft. Man sollte den Verein ernst nehmen, dessen Möglichkeiten positiv sehen, dessen Arbeit wohlwollend aktiv mitgestalten und unterstützen sowie dessen Potenzial als weltweiten Dresden-Botschafter erkennen und nutzen.

Doch zunächst gedanklich zwei Jahre zurück. Die Dynamos hatten 2009 – trotz damals schlechter Platzierung – mit etwa 13.500 den besten Zuschauerdurchschnitt in der 3. Liga; mit diesem Wert hätten sie in der 2. Bundesliga fast einen Mittelplatz in der Zuschauerstatistik belegen können. Das zeugt von der hohen Verbundenheit der Dresdner mit ihrer Mannschaft. Und es zeigt, welche Potenzen Dynamo auf dem erwünschten Weg nach oben hat, die auch zugunsten der Stadt genutzt werden sollten.

Es schien absurd, dass trotz dieser Rekordwerte die Existenz der Profimannschaft immer wieder gefährdet war – weil die Stadt Dresden dem „eigenen“ Verein, der sich zu einem international erfolgreichen Dresden-Botschafter hätte entwickeln können, die Luft zum Atmen abdrückte, denn für die Nutzung des Dynamo-Stadions (mittlerweile »Glücksgas-Stadion«) wird eine Miete verlangt, die mehr als zehnmal so hoch ist wie der Durchschnitt in der 3. Liga (Stand 2009 – Angaben nach Stadionwelt).

Die damals vom Finanzbürgermeister Vorjohann aufgemachte Forderung, man müsse die durch das neue Stadion ermöglichten Mehreinnahmen dagegen rechnen, erinnert an realsozialistische Wirtschaftspolitik. Mehreinnahmen waren in der DDR nach oben abzuführen und konnten nicht für eigene Investitionen genutzt werden. Die Betriebe konnten strampeln wie sie wollten, eine reale Chance hatten sie nicht.

Dass solche Mehreinnahmen Dynamo-geboren sind, ist allein schon angesichts der großen Zuschauerzahlen klar. Und dass Dynamo mehr Einnahmen dringend benötigt, vor allem für Investitionen im sportlichen Bereich, wird gerade jetzt deutlich, da – wie es aussieht – kaum ein zweitligatauglicher Spieler bei Dynamo gehalten werden kann; zum jetzigen Zeitpunkt (4. März 2011) ist Strifler bereits weg, und Hübener, Esswein, Schahin, Jungwirth und Fiél sind wohl kaum zu halten. Das hieße: Die Tretmühle der dritten Liga ginge weiter – für alle Beteiligten, auch für die Stadt, eine Sisyphos-Arbeit und ein finanzieller Balanceakt. Aber erst wenn Dynamo konstant zum vorderen Drittel der 1. Bundesliga gehört, kann der Verein seine Dresden-Botschafter-Funktion sogar weltweit erfüllen, gleichzeitig aber eine Stadionmiete wie im Fußball-Oberhaus üblich zahlen – beides zugunsten der Stadt.

Unterdessen hat sich Anfang März 2011 etwas getan: Die Stadt Dresden will für die kommenden zwei Spieljahre jährlich 3,29 Millionen Euro zu den Mietkosten für das Glücksgas-Stadion »zuschießen«. Das ist jährlich eine Million mehr als bisher, was für Dynamo Entwicklungsmöglichkeiten schafft, die nun verantwortungsvoll und zügig genutzt werden müssen.

Trotz dieser positiven Nachricht bleiben Zweifel: Noch immer klingt in den Diskussionen die Auffassung durch, hier werde einem unseriösen Krawallklub aus der selbstverschuldeten Patsche geholfen, und dies ungern und wegen der vorhandenen Zwänge nur notgedrungen.

Ginge es nach einigen Stadtpolitikern, würden Dresdner, in Albanien, Bulgarien, Italien, Südafrika oder den USA nach ihrem Woher befragt, sogar 2020 noch die niederschmetternde Gegenfrage zur Antwort erhalten: »Dresden – what fucking jerkwater town is it?« Und ein paar Freizeitkicker mit dem D auf der Brust würden in der Stadtliga dem Ball hinterher rennen.

Juni 2020. Hotel »Malibran« in Venedig, Hotel »Bairro Alto« Lissabon, beim Ökobauernhof Abram auf dem slowenischen Nanos, im Gastraum des Valtelehofs im Südtiroler Passeiertal, im Café »Mondial« in Tirana, im »Magnaura«-Café in Istanbul, ja sogar in der Pförtnerloge eines Londoner Parkhauses – überall flackern und leuchten auf den Fernsehbildschirmen im Sportprogramm ein und dieselben Bilder: Man sieht den Dresdner Altmarkt, vollgestopft mit zehntausenden jubelnden Menschen, im Hintergrund der Balkon des Kulturpalastes, auf dem die Dynamo-Spieler den Meisterpott hochhalten, und der 74-jährige Guus Hiddink ruft nach seinem allerletzten Spiel als Trainer mit sich vor Freude überschlagender Stimme ins Mikrofon: »Heute sind wir die Besten von Deutschland, und nächstes Jahr – vielleicht – von ganz Europa!« Dann geht seine Stimme im Jubellärm unter.

Mathias Bäumel

Dienstag, 25. August 2009

Dynamo als weltweiten Dresden-Botschafter, nicht aber als Stiefkind sehen

Sommer 2009. Im bulgarischen Weliko Tarnowo versuche ich dem Besitzer der kleinen Pension zu erklären, woher ich komme: „Dresden.“ – „Ah – Dynamo Dresden!“, war die strahlende Antwort. Ähnliches lief einige Tage später im albanischen Shëngjin ab – „Oh, Dynamo Dresden!“ rief der junge Mann spontan aus, als ich seine Frage nach meiner Heimatstadt beantwortete.

Dresden ist eine kleine Stadt, aber auch München ist in Amerika, Südafrika oder Asien nicht wegen der Pinakotheken und der Oper bekannt, sondern wegen des Hofbräuhauses und Bayern München.

Wenn man es in Sachsens Kleinresidenz ernst meint mit einem zukunftsorientierten Dresdner Selbstverständnis und einem schlüssigen Marketingkonzept, sollte man Dynamo Dresden nicht wie ein ungeliebtes Stiefkind behandeln, dem man unwillig und unter Drohungen aus der Patsche hilft. Man sollte den Verein ernst nehmen, positiv sehen, dessen Arbeit wohlwollend aktiv mitgestalten und unterstützen sowie dessen Potenzial als weltweiten Dresden-Botschafter erkennen und nutzen. Was sich stadtseitig rund um die Stadionfrage abgespielt hat, ist eine Schande für die Politiker der Landeshauptstadt.

Sogar das noch kleinere Halle an der Saale zeigt, was Standard auch in Dresden sein sollte: Dort wird das neue Stadion im wesentlichen durch die Stadt und das Land Sachsen-Anhalt finanziert, die mit ihrem Fußballverein Hallescher FC als einem Botschafter der Region, der der Club erst noch richtig werden soll, an einem Strang ziehen.

M. B.