Aus dem Urlaub zurückgekehrt, sichte ich die Zeitungen der vergangenen Wochen. – Und stutze. Was schreibt da Tobias Winzer in seinem verkehrspolitischen Kommentar der Sächsischen Zeitung vom 10. Juni 2014? »Die Stadt befindet sich beim Thema Parken in einem Teufelskreis. Schafft sie in einem Gebiet neue Parkplätze, wird es für Auswärtige insgesamt attraktiver, dorthin mit dem Auto zu fahren. Sie schafft also mit dem Angebot eine erhöhte Nachfrage. Die neu geschaffenen Parkplätze sind im Nu wieder belegt, und das Spiel beginnt von vorn.« – Mein Gott, was für eine verdrehte Überlegung! Am besten, wir machen Dresden so unattraktiv und verkehrsstrukturell schlecht ausgestattet wie möglich, dann kommen Auswärtige gar nicht erst auf die Idee, unsere Stadt zu besuchen, und erst recht nicht mit ihren Autos. Wir würden nicht nur viele Kraftfahrzeuge von uns fernhalten, sondern auch die ziemlich hohen Kosten für den Strukturausbau anderer Verkehrsmittel sparen. Ein städtisches Idyll wäre die Folge – so zumindest kann man Herrn Winzer verstehen.
Und der scheint Gedanken argumentativ so zu (ver)drehen, wie er es gerade braucht. Eine Reihe von grünlichen Journalisten und Politikern hatte vor nicht allzu langer Zeit kritisiert, dass über die Waldschlösschenbrücke seit Monaten weniger Autos rollen als einst prognostiziert. Ergo: Das Attraktivermachen des Verkehrs durch die Brücke hat – eine wohl einvernehmliche Feststellung – keineswegs zusätzlichen Autoverkehr generiert. Die ideologisch verquaste Denkweise vom verbesserten Angebot, das ein erhöhtes Verkehrsaufkommen induziere, wird immer dann bemüht, wenn sie in den Kram zu passen scheint. Wenn nicht, wird sie schnell »vergessen«. Wie auch hier von Tobias Winzer.
Nach einem Verbalausflug Richtung Los Angeles fährt Winzer fort: »Das, was wir Dresdner an unserer Stadt schätzen, nämlich die engen Neustadt-Gassen und die Fußgängerzonen in der Altstadt, gibt es in so einer autogerechten Stadt (wie Los Angeles, M. B.) nicht.« – Wie verräterisch! Winzers Stadt-Ideal »riecht« sehr nach Puppenstuben-Touristen-Romantik – die Stadt als museales, Spitzweg-Flair vermittelndes Objekt, das von schlendernden, konsumfreudigen Touristen durchströmt und von Müßiggängern zur spirituellen Erbauung genossen wird.
Nein – ich zumindest verlange von einer Stadt mehr und anderes! Dazu gehört auch, dass die Stadt nicht nur fußgänger-, fahrrad- und ÖPNV-, sondern auch autofreundlich ist!
Abgesehen davon: Wo sind denn die »engen« Neustadt-Gassen und die Fußgängerzonen in der Altstadt, die ein angenehmes Flair verbreiten würden? Die besagten engen Gassen sind in Wirklichkeit ein paar mit Hundekot vollgeschissene Straßen, auf denen Kampfradfahrer ihre das Selbstwertempfinden erhöhenden Gefechte gegen Fußgänger und Autofahrer führen. Und was soll an den tagsüber mit Touri-Kolonnen, Strömen von Konsumbesessenen und ein paar Dealern bevölkerten Fußgängerzonen bewahrenswert sein? Die sie umgebenden Großgebäude, überwiegend beton- und glasgewordene Verkörperungen architektonischen Niederganges, sicher nicht – sogar die umstrittene Waldschlösschenbrücke ist dagegen ein Lichtblick.
Klar, Winzer hat einen Kommentar – und damit erlaubt subjektiv – geschrieben. Ein Freibrief zur Verbreitung von Dummheiten ist ein Kommentar jedoch deswegen nicht.
M. B.
sss
Dienstag, 8. Juli 2014
Mittwoch, 9. April 2014
Nah an Dresden: Die 40. Freiberger Jazztage beginnen am 23. April 2014
Keine vierzig Kilometer südwestlich von Dresden und gut auch mit der Bahn zu erreichen, gibt es etwas Besonderes: In Freiberg findet deutschlandweit das einzige Festival des modernen Jazz mit unmittelbarem Universitätsbezug statt – die Freiberger Jazztage. Und diesmal – vom 23. bis 28. April 2014 – zum vierzigsten Mal!
Seit den 1960er Jahren gibt es Jazzenthusiasten an der Bergakademie, die anfangs immer wieder einzelne Konzerte organisierten, bis sie sich 1972 dazu entschlossen, jedes Jahr ein kleines Festival zu stemmen, übrigens fast zeitgleich mit Ilmenau (1972) und vor allem Peitz (1973). An diesen Orten gaben sich die profiliertesten Freejazzmusiker der DDR und zunehmend Westeuropas die Klinke in die Hand, und es erwartete sie ein enthusiastisches, einzigartiges und dem Happening nicht abgeneigtes Publikum.
Nach 1989 hat sich vieles verändert. Finanzierungsprobleme erwiesen sich als Herausforderung: Nun brauchte es einen langen Atem, um die Jazztage für den Kulturraum Mittelsachsen zu retten. Den hatte die IG Jazz im Studentenwerk – Freiberg ist der Ort geblieben, an dem sich alljährlich eine immer größere Fangemeinde trifft, um ein überregional wichtiges Musikfestival mit Bedeutung und Leben zu füllen.
Höhepunkte des diesjährigen Programmes dürften die Auftritte des weltweit renommierten Pianisten Hans Lüdemann mit zweien seiner internationalen Projekte werden, aber auch die wilde US-amerikanische Band Gato Loco sowie das Schweizer Inner-Language-Trio werden begeistern.
Insgesamt zehn Gruppen, ein Jazzfilm sowie eine brillante Ausstellung zur Geschichte der Freiberger Jazztage umfasst das Gesamtprogramm. Dabei ist wähnenswert, dass die Organisatoren auch ein Programm für Kinder auf die Beine stellen und mit »Klassik meets Jazz« auch nach Döbeln und Mittweida gehen.
S. B./M. B.
Programm und Ticket-Infos:
www.freiberger-jazztage.de
Zum besonderen Signet der Freiberger Jazztage:
www.musikinsachsen.de
Seit den 1960er Jahren gibt es Jazzenthusiasten an der Bergakademie, die anfangs immer wieder einzelne Konzerte organisierten, bis sie sich 1972 dazu entschlossen, jedes Jahr ein kleines Festival zu stemmen, übrigens fast zeitgleich mit Ilmenau (1972) und vor allem Peitz (1973). An diesen Orten gaben sich die profiliertesten Freejazzmusiker der DDR und zunehmend Westeuropas die Klinke in die Hand, und es erwartete sie ein enthusiastisches, einzigartiges und dem Happening nicht abgeneigtes Publikum.
Nach 1989 hat sich vieles verändert. Finanzierungsprobleme erwiesen sich als Herausforderung: Nun brauchte es einen langen Atem, um die Jazztage für den Kulturraum Mittelsachsen zu retten. Den hatte die IG Jazz im Studentenwerk – Freiberg ist der Ort geblieben, an dem sich alljährlich eine immer größere Fangemeinde trifft, um ein überregional wichtiges Musikfestival mit Bedeutung und Leben zu füllen.
Höhepunkte des diesjährigen Programmes dürften die Auftritte des weltweit renommierten Pianisten Hans Lüdemann mit zweien seiner internationalen Projekte werden, aber auch die wilde US-amerikanische Band Gato Loco sowie das Schweizer Inner-Language-Trio werden begeistern.
Insgesamt zehn Gruppen, ein Jazzfilm sowie eine brillante Ausstellung zur Geschichte der Freiberger Jazztage umfasst das Gesamtprogramm. Dabei ist wähnenswert, dass die Organisatoren auch ein Programm für Kinder auf die Beine stellen und mit »Klassik meets Jazz« auch nach Döbeln und Mittweida gehen.
S. B./M. B.
Programm und Ticket-Infos:
www.freiberger-jazztage.de
Zum besonderen Signet der Freiberger Jazztage:
www.musikinsachsen.de
Montag, 10. März 2014
Eiferer kaum klüger als Autorin
Es ist das übliche Eifern und Geifern in unserer Gesellschaft der Zeichensetzer ... Da hat sich jemand im Ton vergriffen und irreführende Analogien bemüht – und schon schäumen Wellen der Empörung aus den Texten und Beiträgen mancher betroffenheitstriefender Medien. Die eigentliche Frage, die der Rede Sybille Lewitscharoffs vom 2. März 2014 entnommen werden kann und sollte, wird dadurch verdrängt: Hat der Einzelne ein Recht darauf, mit dem Partner oder der Partnerin seiner Wahl ein gemeinsames Kind zu bekommen? Wenn es ein solches uneingeschränktes Recht gibt, hat die Gesellschaft die Pflicht, alles wissenschaftlich-technisch Mögliche in Bewegung zu setzen, damit der Einzelne zu diesem seinem Recht kommt. Oder sollte das wissenschaftlich-technisch Mögliche bestimmen, ob der Anspruch des Einzelnen legitim und moralisch gerechtfertigt ist?
In jedem Falle ist der Vergleich Lewitscharoffs mit Zeugungspraktiken im Dritten Reich voll daneben, vor allem aber vom Kernthema wegführend. In einem Falle handelt es sich um Fragen des individuellen Glücksanspruchs, im anderen Falle um die politisch-diktatorische Durchsetzung einer rassistischen Ideologie. Schade, dass Lewitscharoff mit ihrem Vergleich selbst erheblich dazu beigetragen hat, eine Diskussion loszutreten, die für das eigentlich wichtige Thema unproduktiv ist. Aber: Die reflexartigen Reaktionen in der Öffentlichkeit haben das nicht besser gemacht, es hat sich dabei erwiesen, dass die Eiferer kaum klüger sind als die Autorin.
M. B.
In jedem Falle ist der Vergleich Lewitscharoffs mit Zeugungspraktiken im Dritten Reich voll daneben, vor allem aber vom Kernthema wegführend. In einem Falle handelt es sich um Fragen des individuellen Glücksanspruchs, im anderen Falle um die politisch-diktatorische Durchsetzung einer rassistischen Ideologie. Schade, dass Lewitscharoff mit ihrem Vergleich selbst erheblich dazu beigetragen hat, eine Diskussion loszutreten, die für das eigentlich wichtige Thema unproduktiv ist. Aber: Die reflexartigen Reaktionen in der Öffentlichkeit haben das nicht besser gemacht, es hat sich dabei erwiesen, dass die Eiferer kaum klüger sind als die Autorin.
M. B.
Dienstag, 4. März 2014
Vortrag in Dresden: »Probleme von Minderheitssprachen in Europa«
Einen Vortrag zum Thema »Probleme von Minderheitssprachen in Europa – Forschung und Lehre an der Universität Leipzig« veranstaltet das Esperanto-Zentrum Dresden mit dem Freundeskreis Esperanto an der TU Dresden am 7. März 2014 (16.15 Uhr, von-Gerber-Bau, Bergstraße 53, Raum 246). Gastredner ist Prof. Dr. Eduard Werner, Institut für Sorabistik der Universität Leipzig. Der Eintritt ist frei.
(M. B.)
(M. B.)
Mittwoch, 5. Februar 2014
Wer wird neuer Dynamo-Geschäftsführer?
Spielwiese Dynamo Dresden: Steffen Menze und Christian Müller sind weg. Für Menze kommt Minge. – Aber wer für Müller? Im Anforderungsprofil der Stellenausschreibung auf der Web Site von Dynamo Dresden steht: »Sie verfügen über umfassende Erfahrung in einer Führungsposition im Bereich Sportmanagement, möglichst in einem Fußballverein, und sind eine kommunikations- und führungsstarke, interdisziplinär versierte Persönlichkeit. Sie haben sehr gute sportfachliche und betriebswirtschaftliche Kenntnisse.«
Allein damit schon dürfte sich Dynamo festgelegt haben – gegen manchen Namen, der in der Presse derzeit herumgeistert. Weder Volker Oppitz, Stefan Bohne noch Thomas Bohn dürften diese Bedingung der »umfassenden Erfahrung« in einer »Führungsposition« erfüllen. – Oder will Dynamo für Lacher sorgen? – Man darf gespannt sein.
M. B.
Allein damit schon dürfte sich Dynamo festgelegt haben – gegen manchen Namen, der in der Presse derzeit herumgeistert. Weder Volker Oppitz, Stefan Bohne noch Thomas Bohn dürften diese Bedingung der »umfassenden Erfahrung« in einer »Führungsposition« erfüllen. – Oder will Dynamo für Lacher sorgen? – Man darf gespannt sein.
M. B.
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Dynamo Dresden,
Geschäftsführer
Freitag, 13. Dezember 2013
Buchpremiere »Von Adam bis Zobel – Ein Wagnersänger-Alphabet« am 19. Dezember
Die Premiere des Buches von Boris Gruhl »Von Adam bis Zobel – ein Wagnersänger-Alphabet« findet am 19. Dezember 2013 im Festsaal des Cosel-Palais in Dresden statt.
Eine einmalige Gelegenheit für alle Dresdner Wagneropern-Fans!
M. B.
Eine einmalige Gelegenheit für alle Dresdner Wagneropern-Fans!
M. B.
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Wagnersänger-Alphabet,
Zobel
Montag, 9. Dezember 2013
Gewaltexzesse beim Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen – Bayern München
Am 9. Dezember 2013 war im Internet und anderswo – beispielsweise auf der Web Site von Radio Bremen – die Nachricht zu lesen, dass es in Bremen im Kontext des Fußballspieles Werder gegen Bayern München zu Gewalttätigkeiten und Ausschreitungen gekommen sei.
Der Inhalt der auf eine dpa-Meldung zurückgehenden Nachricht lautet:
Bei einer Massenschlägerei zwischen Anhängern von Werder Bremen und Bayern München sind acht Polizisten leicht verletzt worden. Bei der vermutlich verabredeten Auseinandersetzung vor dem Spiel der Fußball-Bundesliga am 7. Dezember 2013 prügelten sich nach Angaben der Polizei im Bremer Viertel rund 200 zugereiste Bayern-Fans mit ebenso vielen Werder-Anhängern.
»Das war heftig«, bilanzierte ein Polizist. Die Polizei trennte die Gruppen mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Einige Rowdys setzten ihrerseits Pfefferspray gegen die Beamten ein. 15 Schläger wurden bis zum Ende des Spiels in Gewahrsam genommen. Polizisten haben nach dem Spiel im Weser-Stadion nach eigenen Angaben rund 250 Ultras aus München zu deren Reisebussen in der Neustadt begleitet. »Diese Situation war für uns sehr ungewöhnlich«, sagte ein Polizeisprecher zu Radio Bremen. Die Münchener Anhänger seien in Bremen in der Vergangenheit überwiegend friedlich aufgetreten. Dem Sprecher zufolge waren die Bayern-Ultras dagegen »zielgerichtet und gut vorbereitet« nach Bremen gekommen, um sich in der Stadt mit den Werder-Anhängern zu prügeln.
Wird das auch so behandelt wie die Vorfälle in Bielefeld? Immerhin: Dresden ist vorstrafenfrei.
M. B.
Der Inhalt der auf eine dpa-Meldung zurückgehenden Nachricht lautet:
Bei einer Massenschlägerei zwischen Anhängern von Werder Bremen und Bayern München sind acht Polizisten leicht verletzt worden. Bei der vermutlich verabredeten Auseinandersetzung vor dem Spiel der Fußball-Bundesliga am 7. Dezember 2013 prügelten sich nach Angaben der Polizei im Bremer Viertel rund 200 zugereiste Bayern-Fans mit ebenso vielen Werder-Anhängern.
»Das war heftig«, bilanzierte ein Polizist. Die Polizei trennte die Gruppen mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Einige Rowdys setzten ihrerseits Pfefferspray gegen die Beamten ein. 15 Schläger wurden bis zum Ende des Spiels in Gewahrsam genommen. Polizisten haben nach dem Spiel im Weser-Stadion nach eigenen Angaben rund 250 Ultras aus München zu deren Reisebussen in der Neustadt begleitet. »Diese Situation war für uns sehr ungewöhnlich«, sagte ein Polizeisprecher zu Radio Bremen. Die Münchener Anhänger seien in Bremen in der Vergangenheit überwiegend friedlich aufgetreten. Dem Sprecher zufolge waren die Bayern-Ultras dagegen »zielgerichtet und gut vorbereitet« nach Bremen gekommen, um sich in der Stadt mit den Werder-Anhängern zu prügeln.
Wird das auch so behandelt wie die Vorfälle in Bielefeld? Immerhin: Dresden ist vorstrafenfrei.
M. B.
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